World Trade Center Die Streiterei beginnt
New York Nach Ansicht von Larry Silverstein ist die Sache klar. Der Unternehmer, der das World Trade Center (WTC) für 99 Jahre gepachtet hat, sah zwei Flugzeuge in seine Türme stürzen. Also sind es auch zwei Schadensereignisse, jeweils mit 3,5 Milliarden Dollar versichert, so Silverstein. Er verlangt also insgesamt sieben Milliarden Dollar von den Versicherern.
Die weltweit zweitgrößte Rückversicherungsgesellschaft Swiss Re sieht das ganz anders: Die Terrorattacken waren eine koordinierte Aktion und damit ein einziges Schadensereignis. Silverstein habe damit nur Anspruch auf 3,5 Milliarden Dollar, so die Linie der Versicherer. Swiss Re muss 22 Prozent der Schadenssumme übernehmen.
Die Anwälte der Rückversicherung haben nun bei einem Gericht in Manhattan Klage eingereicht. Sie wollen eine gerichtliche Bestätigung für ihre Sicht der Dinge erreichen. Pikanterweise gibt es für das WTC gar keinen gültigen Versicherungsvertrag, Details der Police waren am 11. September noch nicht unterschriftsreif. Die Gruppe aus 22 Versicherern hatte aber kurz nach den Attentaten erklärt, sich an die Vereinbarungen dennoch gebunden zu fühlen.
Mit dem Gerichtsprozess beginnt die Schlammschlacht um die Entschädigungszahlungen für das WTC-Desaster. In ihrer Klageschrift beschuldigen die Versicherer Silverstein beispielsweise, dass er seine Türme viel zu niedrig versichert habe. "Die Deckungssumme war weit unter den 5,05 Milliarden Dollar, die Falle einer Katastrophe für den Wiederaufbau und den Ausfall der Mieteinnahmen hätten versichert werden müssen", zitiert die "New York Times" aus der Klageschrift. Außerdem müsse Silverstein die Türme wieder vollständig aufbauen, um die gesamte Versicherungssumme zu erhalten. Sollte er seine Pläne verwirklichen, mehrere kleinere Gebäude zu bauen, würde ihm nur ein Bruchteil der 3,5 Milliarden Dollar zustehen, so die Klageschrift.
Silversteins Sprecher, Howard Rubenstein, widersprach sofort: "Herr Silverstein ist mehr als ausreichend versichert", sagte er der Zeitung und startete gleich eine Gegenattacke. Es sei schon überraschend, dass sich die Swiss Re bei der Regierung derzeit um Finanzhilfen für die Terror-Entschädigungen bemüht und gleichzeitig weniger zahlen will, so Rubenstein.