World Trade Center: Entschädigungspoker beginnt - DER SPIEGEL
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World Trade Center Entschädigungspoker beginnt

Am "Ground Zero", der Adresse des eingestürzten World Trade Center, arbeiten die Bagger noch immer auf Hochtouren. Hinter den Kulissen entbrennt derweil der Kampf um die Entschädigung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Vordergründig handelt es sich nur um eine juristische Feinheit, doch die hat es in sich: Sind die beiden Flugzeugeinschläge im World Trade Center als ein oder zwei Ereignisse zu betrachten? Das Problem: Der Schaden, der mit dem Einsturz jedes einzelnen Towers entstanden ist, übersteigt die maximale Deckungssumme bei weitem. Zwei Schadensfälle würden die Versicherer also zweifach Geld kosten.

Keine Frage, dass Larry Silverstein, dessen Immobilienunternehmen Silverstein Properties das World Trade Center für 99 Jahre gepachtet hat, auf dem Standpunkt steht, die Flugzeugattacken für jeden Turm seien getrennt zu werten. Nach seiner Interpretation des Falles geht Silverstein von einem Anspruch in Höhe von 7,2 Milliarden Dollar aus.

Das Geld kann er gut gebrauchen, denn sein Unternehmen wird voraussichtlich für die Aufräumarbeiten, und hier vor allem für die teure Asbest-Entsorgung, zahlen müssen. Immerhin wurden bei den Angriffen rund 1,2 Millionen Quardratmeter Bürofläche vernichtet und weitere 1,4 Millionen von angrenzenden Immobilien beschädigt.

Auch die Hafenbehörde von New York und New Jersey, der das WTC gehört, und die mit einer Gesamtsumme von 1,5 Milliarden Dollar pro Schadensfall gegen Sachschäden und Einnahmeausfälle versichert ist, teilt Silversteins Auffassung: "Nach unserer Ansicht gab es zwei Attacken", bestätigt Sprecher Dan Bledsoe. "Zwei Flugzeuge sind in zwei Türme eingeschlagen, und zwei Türme sind zusammengefallen."

Die Versicherer, darunter Chubb Corp., Swiss Reinsurance Co., Lloyd's of London, die deutsche Allianz AG, ACE Ltd. und XL Capital Ltd., sehen das natürlich ganz anders: Für sie sind die beiden Crashs Teile einer einzigen, koordinierten Attacke. "Darüber wird es noch lange Diskussionen geben", befürchtet Julie Rochman, Senior Vice President des Branchenverbands American Insurance Association.

"Das Problem ist schwer zu lösen, da es so komplex ist", wirbt Mike Leahy von Haigth Brown & Bonesteel gegenüber dem "Handelsblatt" um Verständnis. Jürgen Gräber, Vorstand der Hannover Rück, hält nach seiner persönlichen Einschätzung die Abstürze für ein Ereignis. Bei Unwetter-Katastrophen würden auch Schäden als ein Ereignis bewertet, wenn sie binnen 72 Stunden passieren. Die beiden Flugzeugabstürze ereigneten sich binnen 20 Minuten.

Nicholas Jones, Sprecher für Willis Group Holdings, die die Versicherungsverträge für das WTC vermittelt hat, erklärt: "Wir sind selbstverständlich über Silversteins Position in dieser Angelegenheit informiert und arbeiten mit ihm, den Versicherern und den Rückversicherern an einer einvernehmlichen Regelung der Angelegenheit."

Wie es scheint, wollen die Versicherer zunächst die Frage geklärt wissen, ob für den Süd- und den Nordturm einzelne Versicherungspolicen existieren. Für den Fall, dass nur eine Police existiert, bauen die Gesellschaften schon vor: "Ich kann mich nicht erinnern, dass eine Versicherung jemals zwei verschiedene Schadensfälle über ein und dieselbe Police beglichen hat", sagt Loretta Worters, Sprecherin des Insurance Information Institute. "Mr. Silverstein denkt offenbar, dass er zweimal kassieren kann, weil es zwei Flugzeuge waren."

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