World Trade Center Silverstein kämpft um seine Entschädigung
New York - Die Situation scheint festgefahren. Beobachter rechnen damit, dass sich die Beteiligten im November in New York vor Gericht treffen. Eine Jury muss dann entscheiden, welche Summe Silverstein für das WTC zusteht.
Hinter den Kulissen bemühen sich die Vertreter beider Parteien noch immer um eine außergerichtliche Lösung. Doch jeder Vergleichsversuch scheiterte bislang. Silverstein und die Versicherungen haben offensichtlich noch völlig unterschiedliche Vorstellungen von dem Wert des World Trade Center und der Silverstein zustehenden Summe. Die 20 Versicherungsgesellschaften unter Führung der schweizerischen Versicherung Swiss Re haben nach Angaben der "New York Times" vom Freitag 1,8 Milliarden Dollar angeboten. Silverstein dagegen verlangt 5,7 Milliarden Dollar.
Silverstein hatte das gesamte WTC mit seinen beiden Zwillings-Wolkenkratzern und den dazu gehörigen umliegenden Bürogebäuden von der Besitzerin, der bundesstaatlichen Behörde Port Authority, für 99 Jahre gemietet. Laut Vertrag war Silverstein auch verpflichtet, den Gebäudekomplex zu versichern. Er schloss mit der Swiss Re einen Vertrag, nach dem ihm im Schadensfall bis zu 3,5 Milliarden Dollar zustehen sollen.
Was als Schadensfall zu interpretieren ist, daran scheiden sich jetzt die Geister. Silverstein vertritt den Standpunkt, es handelte sich um zwei separate Ereignisse, da die Terroristen die Wolkenkratzer mit zwei Flugzeugen zerstört hatten. Deshalb stünde ihm die doppelte Summe, also sieben Milliarden Dollar zu.
Selbst diese Summe würde nach seiner Einschätzung den wirklich erlittenen Schaden nicht annähernd abdecken. Nach einem Bericht der "New York Times" beziffert Silverstein den Wert der zerstörten Gebäude auf 5,7 Milliarden Dollar. Hinzu kämen weitere 2,5 Milliarden Dollar für Geschäftsausfälle, so dass sich der Gesamtwert der Verluste auf 8,2 Milliarden Dollar addiere.
Für die Swiss Re kommt dagegen nur eine Maximalsumme von 3,5 Milliarden Dollar in Frage, weil die Ereignisse am 11. September als ein koordinierter Anschlag zu werten seien. Silverstein könne deshalb unter keinerlei Umständen jemals mehr als die Maximalsumme in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar an Versicherungszahlungen erhalten, erklärte ein Sprecher der Versicherung.
Aber selbst diesem Betrag will die Swiss Re nicht bezahlen. Denn von dem Wert des World Trade Centers hat die Swiss Re ganz andere Vorstellungen. Sie beruft sich auf die Schätzung des unabhängigen Immobiliensachverständigenbüros Pearson Partners, das den tatsächlichen Verkaufswert des Komplexes auf 2,156 Milliarden Dollar geschätzt hat.
Ein Wiederaufbau werde acht bis neun Jahre dauern, gleich wie und durch wen aufgebaut werde. Der Ersatzwert für die Immobilie nähere sich dann zwar dem Versicherungspolicen-Limit von 3,5 Milliarden Dollar. Wenn man die Inflation berücksichtige, seien gegenwärtig allenfalls 2,4 Milliarden Dollar zu bezahlen. Diese Gelder seien aber nicht komplett für den Wiederaufbau verfügbar, da die Geschäftsunterbrechungs-Leistungen aus der gleichen Versicherungspolice bezahlt werden müssten, erklärte Jacques Dubois, Chef der Swiss Re America.
Dass Silverstein die Schadenssumme höher einschätzt, wundert Dubois überhaupt nicht. "Während der Vertragsverhandlungen hatte uns Silverstein erzählt, die Immobilie sei einschließlich Geschäftsunterbrechungs-Versicherung fünf Milliarden Dollar wert. Er wollte jedoch die entsprechende Prämie für diese Summe nicht bezahlen und schloss den Vertrag nur für eine Deckung von 3,5 Milliarden Dollar ab". Diesen Fehler wolle Silverstein jetzt mit seiner Interpretation des Anschlags wieder ausbügeln.