WorldCom September-Held Giuliani peilt Chefposten an
New York - Der Anleihe-Experte David Matlin will Königsmacher spielen. Systematisch kauft der Mann, der früher für die Investmentbank Credit Suisse First Boston arbeitete, Bonds des bankrotten Telefon-Riesen WorldCom auf. Zehn Prozent aller Anleihen hat eine Investorengruppe um Matlin nach Angaben des "Wall Street Journal" für 300 Millionen Dollar zusammengekauft, insgesamt wolle sie ein Drittel der Papiere ansammeln. Das gäbe Matlin die Macht, als maßgeblichen Einfluss auf den Konzern zu nehmen.
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Dem "Journal"-Bericht zufolge will Matlin seinen Einfluss nutzen, um möglichst bald einen Kandidaten seines Vertrauens auf den Stuhl des WorldCom-Chairmans zu hieven. Rudolph Guiliani, den früheren New Yorker Bürgermeister. Giuliani, der wegen seiner Amtsführung nach dem 11. September und seines harten Vorgehens gegen Kriminalität hohes Ansehen genießt, könne den Job schon in den kommenden Tagen übernehmen, so die Zeitung. Schon seit August sei er für Matlins Spezial-Fonds MatlinPatterson Asset Management tätig, an dem Matlins früherer Arbeitgeber CSFB maßgeblich beteiligt sei.
Verdrängungskampf an der Spitze
Matlin dränge den Konkursrichter Arthur Gonzales derzeit, Giuliani zu akzeptieren, so das "Journal". Auch Michael Capellas, der Ende vergangener Woche neuer World-Com-CEO wurde, soll bereits mit Matlin über die Personalie gesprochen haben. Capellas sagte dem Blatt zufolge: "Wir werden sehen, ob es eine Rolle für Giuliani gibt". Das Problem dabei: Bisher ist Capellas nicht nur CEO, sondern auch President - und Chairman. Er müsste also eins seiner gerade gewonnenen Ämter räumen, um Platz für den Ex-Politiker zu schaffen.
Hintergrund der Personaldebatte ist dem Anschein nach ein Kampf um die künftige Strategie des Bankrott-Konzerns. Matlin verfolgt offenbar andere Ziele als Capellas, der laut "Journal" vom bisherigen Gläubigerausschuss eingesetzt worden ist. In diesem Ausschuss ist Matlin bisher nicht vertreten, obwohl sein Fonds bereits jetzt der wichtigste WorldCom-Gläubiger sei, so der Bericht. Wichtige Personen aus dem Matlin-Lager seien empört gewesen, als der frühere Compaq-Boss Capellas an ihnen vorbei zum Vorstandschef und Chairman bestimmt worden sei.
1,3 Milliarden Dollar in der Kriegskasse?
Trotz des Zusammenbruchs des Konzerns gibt es weiter viel zu verteilen - immerhin handelte es sich nach Bilanzsumme um den größten Konkurs der US-Geschichte. Alle Seiten scheinen immerhin darin einig, dass sie den Konzern sanieren und intakt aus dem Gläubigerschutzverfahren heraus führen wollen, statt ihn in Einzelteile zu zerschlagen und diese rasch zu verkaufen. Streit gibt es offenbar über den genauen Inhalt des Sanierungsplans. Sollte Matlin das von ihm angestrebte Ziel, über 30 Prozent aller Bonds zu kaufen, erreichen - dann besäße er ein Veto-Recht und könnte jeden Plan des Vorstandes torpedieren. Ein guter Draht zum Chairman des Konzerns dürfte Matlins Einfluss drastisch erhöhen.
Matlins Firma spezialisiert sich auf "distressed bonds", also auf Anleihen von Unternehmen in akuten Zahlungsproblemen. Da der Konkursantrag nicht nur die WorldCom-Aktie, sondern auch die Bonds auf Talfahrt geschickt hat, sind die festverzinslichen Wertpapiere derzeit vergleichsweise billig zu haben. Wird eine Firma erfolgreich saniert, sind mit diesem hoch riskanten Geschäft üppige Gewinne zu erzielen. Im vergangenen Jahr soll Matlins Fonds auf eine Rendite von 40 Prozent gekommen sein. Für das WorldCom-Projekt will der Bond-Experte offenbar bis zu 1,3 Milliarden Dollar investieren.
Rudy setzt auf Risiko
Giulianis Engagement ist trotz seines Renomees nicht unumstritten. Der Ex-Politiker, der als Staatsanwalt an der Aufdeckung von Börsenskandalen in den achtziger Jahren beteiligt war, hat sich bisher von öffentlichkeitswirksamen privatwirtschaftlichen Aktivitäten fern gehalten.
Mit allzu forschem Eingreifen in den Gläubiger-Machtkampf könnte er seinen Ruf aber schnell ruinieren und Politiker in Washington vor den Kopf stoßen. Ortsnetz-Telefonanbieter und Ferngesprächskonkurrenten betreiben in der US-Hauptstadt derzeit massive Lobby-Arbeit. Sie wollen vermeiden, dass WorldCom trotz einer Schuldenlast von über 40 Milliarden Dollar im Gläubigerverfahren allzu leicht davon kommt - und bald wieder als mächtiger Konkurrent auftrumpft.