WTC-Desaster: Der suspekte Gedenkbuch-Deal - DER SPIEGEL
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WTC-Desaster Der suspekte Gedenkbuch-Deal

Das Schicksal hat ihn gebeutelt, doch viele finden seine TV-Auftritte pietätlos und selbstsüchtig. Howard Lutnick, Chef von Cantor Fitzgerald, hat am 11. September 670 Mitarbeiter verloren. Nun schreibt er ein Buch über das Desaster - und erzürnt erneut die Kritiker.
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New York - Kaum ein Unternehmenschef hat nach dem 11. September einen so traurigen Ruhm erlangt wie Howard W. Lutnick. Und keine Firma hat es so schlimm erwischt wie den Anleihe-Händler Cantor Fitzgerald, der seine Räume zwischen dem 101. und dem 105. Stock im World Trade Center besaß. Dass Lutnick nicht selbst Opfer des Infernos wurde, verdankt er allein einem Zufall. Weil er bei der Einschulung seines Sohnes dabei sein wollte, kam der Cantor-Chef an jenem Dienstag zu spät zur Arbeit. Seinen einzigen Bruder Gary aber hat er verloren, ebenso wie den Großteil seiner Mitarbeiter.

Nach der Tragödie stand Lutnick im Rampenlicht wie kaum ein anderer. Daran war er nicht ganz unschuldig: Bei zahlreichen TV-Auftritten betrauerte er medienöffentlich die Toten. Viele Familienangehörige der Gestorbenen nahmen ihm diese Auftritte nicht ab, fanden sie egozentrisch und eigennützig. Denn bisher war Lutnick vor allem als knallharter Verhandler und ruppiger Chef aufgetreten.

Und nicht jede Entscheidung, die Lutnick nach dem 11. September traf, wirkt im Nachhinein glücklich. So hat Cantor schon am 15. September damit aufgehört, Gehaltsschecks an die Vermissten und ihre Angehörigen zu schicken. Da waren die Opfer noch nicht einmal offiziell für tot erklärt.

Dass Lutnick nun einen Buchvertrag mit Harper Collins abgeschlossen hat, der Verlagstochter von Rupert Murdochs News Corp., hat die Kontroverse über Aufrichtigkeit und Gewinnlertum erneut entfacht - und ebenso die Spekulationen über die Höhe des Schecks. Weder Verlag noch Autor gaben bekannt, wie Lutnick entlohnt wird.

Der Cantor-Chef versucht, Vorwürfen vorzubeugen. Er werde sämtliche Einkünfte aus dem Buchprojekt dem Fonds zukommen lassen, der Angehörige gestorbener Cantor-Mitarbeiter unterstützt, verspricht er. Das Buch schreibe er nicht aus Eigennutz, für ihn sei es eine Art Trauerarbeit. "Es wird ein dauerhaftes Zeugnis für all die Freunde und Partner sein, die ich verloren habe."

Zumindest einer aber wird - neben dem Verleger und Buchhändlern - von dem Projekt profitieren: Thomas Barbash, der Co-Autor, der Lutnick beim Schreiben des Buches unterstützt.