WTO-Proteste Demonstrant nimmt sich das Leben
Cancún - Augenzeugen berichteten, wie der 56-jährige Lee Kyanc Hae zunächst auf einen Sicherheitszaun geklettert sei und ein Plakat mit der Aufschrift "WTO tötet Bauern" geschwenkt habe. Dann habe er sich ein Messer in die Brust gerammt. Einem Arztbericht zufolge durchbohrte er dabei sein Herz und den linken Lungenflügel. Einer seiner Freunde bezeichnete den Selbstmord als "Opferakt", der Südkoreaner habe damit seine Verabscheuung gegenüber der WTO und ihrer Politik zum Ausdruck bringen wollen.
Nach Angaben von WTO-Vertretern war der Koreaner bereits bei anderen Tagungen aufgefallen. So habe er sich 1993 in den Gängen der WTO-Zentrale in Genf in den Bauch gestochen. In diesem Jahr habe er mehrere Wochen lang vor dem WTO-Sitz campiert und friedlich gegen die WTO demonstriert.
Die Proteste von rund 5000 Globalisierungskritikern wurden gewalttätig, als rund 20 von ihnen Polizei-Absperrungen durchbrachen. Pflastersteine, Stöcke, Metallstangen und Flaschen wurden auf die Sicherheitskräfte geworfen, die ihrerseits Schlagstöcke und Tränengas einsetzten. Die Demonstranten kritisieren das nach ihrer Ansicht unfaire Welthandelssystem, das sich gegen die Entwicklungsländer richte. An den Protesten vor allem ausländischer Gruppen beteiligten sich auch zahlreiche mexikanische Bauern.
Bei den Gesprächen der Handelsminister von 146 WTO-Mitgliedsländern geht es vor allem um den weltweiten Abbau von Handelsschranken. Zentrales Thema ist einmal mehr die Kontroverse um die milliardenschweren Agrarsubventionen der reichen WTO-Mitglieder, die vielen Entwicklungsländern einen Export ihrer landwirtschaftlichen Erzeugnisse unmöglich machen.