Wütende Proteste: Wulff wirft Airbus-Managern kapitale Fehler vor - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Wütende Proteste Wulff wirft Airbus-Managern kapitale Fehler vor

Europaweite Schelte für das Airbus-Management: Bei zahlreichen Protestaktionen lassen Zehntausende Mitarbeiter ihrer Wut über das Sanierungsprogramm "Power 8" freien Lauf. Unterstützung geben hochrangige Politiker - sie geißeln den Plan als einfallslos und fehlerhaft.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) erklärte in Hamburg, Gewerkschaften, Regierungen und Beschäftigte ließen sich nicht auseinander dividieren. Er forderte Nachbesserungen bei "Power 8": "Wir glauben, dass das Konzept Fehler beinhaltet", sagte Wulff in Hamburg. Vom Management erwarte er, dass es die Beschäftigten der EADS  -Tochter bei der Suche nach einem Ausweg aus der Krise einbeziehe. "Es sind bisher einfach Einsparauflagen verkündet, aber noch nicht die Sinnhaftigkeit des Konzepts deutlich gemacht worden", erklärte Wulff. "Ich sehe nicht ein, dass die Manager Fehler machen und die Arbeitnehmer diese im Kern bezahlen sollen."

Allein in der Hansestadt erwartete die IG Metall zu der zentralen Veranstaltung in Deutschland 20.000 Teilnehmer. Auch Wulffs baden-württembergischer Kollege Günther Oettinger sollte dort sprechen. Vor der Kundgebung erklärte IG Metall-Chef Jürgen Peters, der Widerstand der Arbeitnehmer gegen den Sanierungsplan "Power 8" sei ungebrochen. "Das ist ein Plan, den wir nicht akzeptieren." Er forderte Nachbesserungen und kündigte ein gemeinsames Konzept der Gewerkschaften an. Airbus werde aus den "eigenen Reihen schlecht geredet". Das Unternehmen habe begehrte Produkte und übervolle Auftragsbücher.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Airbus Deutschland, Rüdiger Lütjen, bezweifelte, dass mit dem Verkauf von Werken etwa die Probleme beim A380 gelöst werden können. "Airbus ist nur mit seinen Beschäftigten zukunftsfähig." Die Belegschaft sei bereit, einen Beitrag zur Sicherung des Unternehmens zu leisten. Er verlangte dafür aber eine Perspektive vom Unternehmen.

Im baden-württembergischen Laupheim bildeten rund 2000 Menschen unterdessen eine Menschenkette um das Airbus-Werk, das laut "Power 8" verkauft werden soll. Dort bekräftigte Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP), dass die Landesregierung sich für den Standort einsetzen werde.

In Frankreich und Spanien wollen die Airbus-Mitarbeiter heute den gesamten Tag lang die Arbeit ruhen lassen. In Toulouse hat die Kundgebung schon mit großer Beteiligung begonnen. Mehr als 1000 Menschen waren bereits kurz nach zehn Uhr vor der Airbus-Firmenzentrale versammelt. Auch in Großbritannien waren Veranstaltungen geplant.

Die Beschäftigten des europäischen Flugzeugbauers wehren sich gegen den geplanten Abbau von europaweit 10.000 Arbeitsplätzen. Das umstrittene Sparprogramm sieht allein bei Airbus in Deutschland den Abbau von 3700 Jobs vor, in Frankreich sollen 4300 Stellen wegfallen, davon 1100 in der Zentrale in Toulouse. In Deutschland sucht Airbus außerdem für die Werke in Varel (Niedersachsen) und Laupheim (Baden-Württemberg) mit zusammen 2500 Beschäftigten Käufer. Für Nordenham sollen Partner gefunden werden.

Der Eindruck einer geschlossenen Mitarbeiterfront gegen den Plan, den der heutige Protesttag vermittelt, ist allerdings falsch: Erst in den letzten Tagen war es zwischen deutschen und französischen Gewerkschaften wieder zum offenen Streit gekommen. Auf die ursprünglich geplante zentrale Kundgebung in Brüssel verzichten die Arbeitnehmervertreter nun.

ase/dpa/AP/ddp

Mehr lesen über