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Die Familienfirma des VW-Chefs Ferdinand Piëch ist mit Volkswagen groß im Geschäft - ein Geschäft mit Gschmäckle.
• aus DER SPIEGEL 12/1998
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mit Gegnern und Kritikern geht Volkswagen-Chef Ferdinand Piëch nicht gerade zimperlich um. Aber bei Fritz Haberl, einem Münchner VW- und Audi-Händler, macht er offensichtlich eine Ausnahme. Und das liegt am Thema.

Seit Jahren beschwert sich der Großaktionär des Autohauses Mahag über die Verkaufs- und Expansionspraktiken der Porsche Holding in Salzburg. Piëch reagierte darauf bislang ziemlich wortkarg.

Haberls Kritik trifft einen wunden Punkt des VW-Chefs, über den der am liebsten gar nicht reden möchte. Es geht um einen bösen Verdacht - die Verquickung von Amt und Privatgeschäften.

Die Porsche Holding kontrolliert mittlerweile rund 20 Prozent des Vertriebs aller VW-Konzernmarken in Europa. Piëch ist an dem Salzburger Handelshaus mit zehn Prozent beteiligt. Die weiteren Anteile werden von Piëchs Mutter Louise, Bruder Hans Michel und Angehörigen der mit ihm verwandten Porsche-Familie gehalten.

Die Verbindung von Volkswagen und Porsche könnte Piëch in Bedrängnis bringen. Sie hat nach traditionellen Kaufmannsregeln zumindest ein Gschmäckle. Das Salzburger Unternehmen erzielt den größten Teil seines Umsatzes von 6,7 Milliarden Mark im Geschäft mit dem VW-Konzern.

Bisher hat sich an dieser Verbindung kaum einer gestört. Doch jetzt gerieten die Familienbande in die Schlagzeilen. Offenbar waren nicht alle Geschäfte eindeutig.

Die Porsche Holding steht in dem Verdacht, in mehreren Fällen Graumarkt-geschäfte abgewickelt zu haben. 1995 lieferte die Porsche Hungaria, ein 100prozentiger Ableger der Salzburger Firma, 18 VW Polo an eine Baufirma in der Ukraine, die später von einem süddeutschen Graumarkthändler angeboten wurden. Auch mehrere an Porsche gelieferte Audi und Golf sollen über den Umweg Zypern und Italien nach Deutschland reimportiert worden sein.

Daß ausgerechnet Piëchs Familienfirma mit Graumarktgeschäften in Verbindung gebracht wird, ist besonders pikant. Erst Ende Januar hatte die EU-Kommission gegen den VW-Konzern eine Rekordstrafe von rund 200 Millionen Mark verhängt. Volkswagen habe, so die Begründung, sy-

* Ferdinand Porsche, Louise Piëch, Wolfgang Porsche.

stematisch die Rückführung preiswerter Autos aus dem europäischen Ausland verhindert und damit gegen europäische Wettbewerbsregeln verstoßen.

Die Kritiker werfen Piëch nun vor, durch seine Beteiligung an Porsche in Salzburg indirekt an Geschäften verdient zu haben, die er im Konzern mit allen Mitteln bekämpft. Nun sollen unabhängige Prüfer die Vorgänge durchleuchten.

Das Resultat dürfte keinen überraschen. Piëch wird, juristisch jedenfalls, nichts vorzuwerfen sein. Vor seinem Amtsbeginn hatte sich der Porsche-Erbe ausbedungen, die Salzburger Beteiligung zu behalten. Er sicherte zu, sich nicht aktiv in die Geschäfte der Porsche Holding einzuschalten.

Piëch pocht auf seine Rechte, und die reichen bis in die Nachkriegsjahre zurück. Für den Lizenzbau des von Ferdinand Porsche entwickelten Käfers hatten sein Sohn Ferry und dessen Schwester Louise Piëch kurz nach dem Krieg die Importeursrechte für VW in Österreich erhalten. Später baute Ferry Porsche in Stuttgart die Fertigung von Sportwagen auf.

All dies blieb so lange unproblematisch, wie Piëch nicht den VW-Konzern führte. Damit auch seit seinem Amtsantritt alles korrekt zugeht, muß der Aufsichtsrat jedem Geschäft mit der Porsche-Familie zustimmen.

Die Porsche Holding hat sich dank VW prächtig entwickelt. Das viertgrößte österreichische Unternehmen ist an mehr als zwei Dutzend Firmen beteiligt, besitzt eine Bank, eine Versicherung und verkauft etwa in Frankreich Konkurrenz-Modelle von Chrysler, Mitsubishi und Hyundai. Unmittelbar nach der Wende 1989 sicherte sich Porsche Salzburg einen Vertrag als VW-Generalimporteur für Ungarn, weitere Verträge folgten für Slowenien und die Slowakei.

Einige Aufsichtsräte fragen sich inzwischen, ob sie die Piëchsche Vermögensbildung an der Schnittstelle zu seinem offiziellen Amt in der Vergangenheit nicht zu unkritisch gesehen haben.

VW- und Audi-Händler murren zunehmend über die Porsche-Aktivitäten. Bislang hatten sich die Salzburger auf dem deutschen Markt zurückgehalten. Das soll anders werden.

In München kaufte die Porsche Holding gegen den Mitinteressenten Haberl einen Xkoda-Händler, in Leipzig soll eine weitere Xkoda-Dependance hinzukommen.

Auch der Sportwagen-Hersteller Porsche erhielt manchen lukrativen Entwicklungsauftrag. Im Gespräch ist jetzt die gemeinsame Entwicklung eines Geländewagens mit VW.

Die Bande Porsche/VW könnten gar noch enger werden. Wenn sich auch in Europa die Pläne für einen Flottenverbrauch durchsetzen, muß sich Porsche nach einem Partner umsehen, der mit seinen kleineren Modellen den hohen Verbrauchswert der eigenen Modelle drückt. Wolfsburger Manager glauben den Partner schon zu kennen - Piëchs VW-Konzern.

* Ferdinand Porsche, Louise Piëch, Wolfgang Porsche.

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