Yahoo: Comeback des Wunderkindes - DER SPIEGEL
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Yahoo Comeback des Wunderkindes

Er hat Yahoo groß gemacht - jetzt soll er den legendären Internet-Konzern retten. Gründer Jerry Yang kehrt an die Spitze zurück und soll ein Rezept gegen Google und Co. finden. Alle Hoffnungen richten sich auf das einstige Wunderkind des Silicon Valley.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Wenn es hart auf hart kommt, dann müssen die alten Hasen ran. Überraschend verkündete Yahoo-Chef Terry Semel gestern seinen Rücktritt. Als Nachfolger sprang der ein, der das Unternehmen so gut kennt wie kaum ein anderer: Mitgründer Jerry Yang - einer der bekanntesten Internet-Pioniere, Silicon-Valley-Wunderkind und laut Forbes-Liste einer der 500 reichsten Menschen der Welt.

Yang hatte Yahoo 1994 mit dem Kommilitonen David Filo in seiner Freizeit an der Elite-Universität Stanford gegründet. Seit Mitte der neunziger Jahre ist das Unternehmen eine der bekanntesten Marken und eine der meistgenutzten Internet-Suchmaschinen der Welt - bekommt aber zunehmend Druck von anderen Suchdiensten, allen voran von Google.

Er habe das Ziel, Yahoo wieder zu einem Internet-Unternehmen zu machen, das eine lange und erfolgreiche Zukunft hat, sagte Yang in einem ersten Gespräch mit Analysten. Er habe die volle Rückendeckung der Geschäftsführung - und auch die des zurückgetretenen Chefs Semel, der weiter beratend in der Unternehmensführung arbeitet.

Wie genau Yang seinen Konzern wieder fit kriegen will, ließ er allerdings offen. Kein Wunder also, dass der Wechsel sofort heftige Spekulationen über einen möglichen Verkauf oder ein Zusammengehen mit anderen großen Internet-Mitspielern aufkommen ließ. Zumal Yahoo schon früher mit Microsoft, Time Warner sowie Ebay   über Deals gesprochen hat.

Tatsächlich überlässt Semel, der ehemalige Chef des Filmstudios Warner Bros, dem Internetpionier Yang kein einfaches Feld. Vor allem in den vergangenen beiden Jahren ist Yahoo   gegen Google   und auch den zweiten großen Konkurrenten Microsoft   immer mehr ins Hintertreffen geraten. Die Gewinne brachen nach jahrelangen Höhenflügen ein.

Inzwischen hat Google laut dem Branchendienst Comscore in den USA bei den Internet-Suchanfragen einen Marktanteil von 49,7 Prozent - Yahoo liegt mit einem Anteil von 26,8 Prozent abgeschlagen auf Platz zwei. Allerdings ist Yahoo mit rund 500 Millionen Benutzern im Monat immer noch an erster Stelle.

Dass der ehemals so erfolgreiche Konzern inzwischen mit einem immer größeren Rückstand zu Google kämpft, hat auch mit dem scheidenden Chef zu tun. Semel hatte die Leitung des Unternehmens vor sechs Jahren übernommen, als es nach dem Ende der New Economy Verluste schrieb. Ihm ist es zwar zu verdanken, dass sich Yahoo auf das Werbe- und Mediengeschäft konzentrierte - allerdings fiel der Konzern zum Beispiel zuletzt im lukrativen Online-Anzeigenmarkt massiv zurück. Auf der Yahoo-Hauptversammlung vor Tagen geriet Semel ins Kreuzfeuer der Kritik: Die Aktionäre warfen ihm vor, keine konkreten Pläne zu haben, wie man sich in Zukunft gegen Google behaupten will.

Semel - Meister der verpassten Chancen

Semel hat nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen. Im Sommer 2002 schien ihm der Preis für die damals noch kleine Internetfirma Google zu hoch - er lehnte den Kauf ab. Später setzte er die Kaufverhandlungen mit der inzwischen äußerst erfolgreichen Netzwerkseite Facebook in den Sand. Im vergangenen Jahr schließlich scheiterte Yahoo beim Kauf des Videoportals YouTube. Käufer war ausgerechnet Google.

Mitarbeiter, Technologiefreaks und Computerspezialisten haben Semel, der selbst nur rudimentäre Computerkenntnisse hat, nie wirklich über den Weg getraut. Das führte zu schlechter Stimmung im Unternehmen. Schon länger ist im Silicon Valley bekannt, dass der Konzern Probleme hat, fähige Techniker und Ingenieure anzuwerben. Als ein Grund gilt auch die Bezahlung: Die Mitarbeiter werden mit einem relativ niedrigen Grundgehalt entlohnt, erhalten aber Aktienoptionen. Diese sind momentan nur nicht allzu viel wert: Der Kurs von Yahoo verlor binnen zwölf Monaten elf Prozent - während der von Google um 34 Prozent stieg.

Semel selbst gilt indes als einer der bestbezahlten Manager der Welt. 2006 soll er ein Jahresgehalt von 71 Millionen Dollar erhalten haben. Seine Bezüge seit 2001 - Gehalt und Aktienoptionen - summieren sich angeblich auf mehr als 450 Millionen Dollar.

Edel-Rentner nicht zum ersten Mal Lückenfüller

Zeitgleich mit Semels Rücktritt kündigte Yahoo gestern an, im zweiten Quartal die selbst gesteckten Ziele nicht zu erreichen. Dass die Aktie trotzdem um mehr als 4,5 Prozent nachbörslich zulegte, liegt allein an der Hoffnung, dass der Wechsel zu Yang einen Aufbruch einläuten könnte.

Der Konzern verlässt sich in seiner schwierigen Situation auf Altbewährtes - was sich auch daran zeigt, dass die neue Präsidentin Susan Decker nicht zum Zuge kam. Die 44-jährige frühere Finanzchefin und kürzlich ernannte Leiterin der wichtigen Werbesparte galt intern lange als Nachfolgerin von Semel. Der Verwaltungsrat zog jetzt aber doch den alten Konzernchef vor. Yang sagte, er habe die Konzernführung nicht auf Interimsbasis übernommen, sondern langfristig.

Der gerne als Edel-Rentner verspottete 38-Jährige ist nicht zum ersten Mal Lückenfüller. Schon Anfang Juni hatte der Weggang des Technikchefs Farzad Nazem eine Lücke gerissen, in die Yang sprang. Dass der Yahoo-Mitgründer sich als Interimslösung zur Verfügung stellte, war schon damals von Beobachtern als Zeichen dafür gewertet worden, dass Yahoo die guten Mitarbeiter verloren gehen.

Seit seinem Rückzug aus der Geschäftsführung hat sich Yang vor allem der Unternehmensstrategie gewidmet - was ihm helfen könnte, jetzt Strategien zu finden, mit denen er die Lücke zu Google schließen kann. "Yang war sowieso die ganze Zeit an Management-Entscheidungen beteiligt", sagt der ehemalige Vizechef der Yahoo-Shopping-Sparte. "Es hieß die ganze Zeit: 'Warum machen wir das, warum tun wir nicht dies?' Er war nicht der Unternehmensgründer, den man in ein entlegenes Büro setzen konnte und der nur einmal in der Woche vorbeischaute."

mit Material von dpa und AFP

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