Zahlungsverzug Banken versetzen Jukos den Todesstoß
Moskau - "Am 2. Juli haben wir eine Verzugs-Notiz von den Banken erhalten, die den Kredit über eine Milliarde Dollar für uns bereitgestellt haben", teilte Jukos mit. Ohne eine Freigabe der eingefrorenen Konten müssten die Ölexporte per Schiff und Bahn von derzeit rund 400.000 Barrel pro Tag wohl reduziert werden.
Ob die Banken unter diesen Umständen zu ihrem Geld kommen werden, ist derzeit mehr als fraglich. Der Konzern muss bis Mittwochabend Steuernachzahlungen über 3,4 Milliarden Dollar für 2000 begleichen. Ein Stichtag für eine weitere Zahlung in etwa gleicher Höhe für 2001 steht noch nicht fest.
Sprecher der Deutschen Bank und der Commerzbank wollten allerdings keine konkreten Angaben zu ihren Krediten bei dem angeschlagenen Unternehmen machen. "In dem Konsortium sind zehn Banken, die Federführung hat Société Générale, die den Kredit auch im Namen der ganzen Gruppe fällig gestellt haben", hieß es. Wichtiger als dieser Milliardenkredit ist aus Sicht der Banken allerdings der Blick auf die Gesamtverschuldung von Jukos und vor allem der politische Hintergrund der Affäre.
Am Wochenende hatte die Polizei am Hauptsitz des Unternehmens in Moskau Dokumente, Datenträger und Tresore beschlagnahmt. Ermittler sprachen von einem Einsatz, der Teil der Ermittlungen gegen Jukos wegen Betrugs und Steuerhinterziehung sei. Das harte Vorgehen gegen Jukos wird von vielen Beobachtern auch als Reaktion des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf politische Ambitionen des ehemaligen Jukos-Chefs Michail Chodorkowski gesehen. Der Milliardär, dem nachgesagt wurde, er strebe das Präsidentenamt an, sitzt seit Oktober wegen Betrugs und Steuerhinterziehungsvorwürfen in Haft. Ihm drohen im Fall einer Verurteilung zehn Jahre Gefängnis. Ein Bankrott von Jukos wäre Analysten zufolge ein erheblicher Schlag für den Investitionsstandort Russland. Investoren würden dies direkt Putin zuschreiben und die Glaubwürdigkeit der Regierung wäre stark beschädigt, sagte Christopher Weafer von der Alfa Bank.
Heute sorgten die Nachrichten am Ölmarkt für weitere Verunsicherung und lösten Ängste vor Versorgungsengpässen aus. Von Jukos stammt rund ein Fünftel der russischen Ölproduktion. Ein Barrel (knapp 159 Liter) der marktführenden Nordsee-Ölsorte Brent zur Lieferung im August verteuerte sich in London um 52 Cent auf 36,44 Dollar.
Am Aktienmarkt gaben Jukos-Titel um weitere knapp vier Prozent nach. Seit Anfang April haben Jukos-Aktien mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. "Es ist schwierig vorauszusagen, wer in der jetzigen Situation Jukos-Titel würde kaufen wollen", sagte Jewgeni Wolkow von MDM Bank.