Zapfsäulen-Trend Der Tankwart und seine Feinde
Frankfurt am Main - Auf Wunsch der Kunden tanken sie voll, schauen nach Öl, Wasser und Reifendruck und sie putzen die Scheiben. Lange Jahre war der Tankwart an der Zapfsäule verschwunden. Dann startete Shell ein Pilotprojekt in Ballungsräumen. An viel besuchten Stationen kamen die Helfer wieder zu Ehren. Derzeit sind es bundesweit etwa 180, bis Ende des Jahres will Shell an 720 der 2250 deutschen Stationen wieder einen Tankwart etabliert haben. "Der Service wird sehr gut angenommen, wir haben viele positive Reaktionen", freut sich Shell-Sprecherin Barbara Gamalski.
Die Tankwarte sollen den Filialen einen größeren Absatz an Produkten wie Motoröl und Frostschutzmittel verschaffen. Shell selbst plant mit der konzertierten Aktion, weitere Kunden und Marktanteile zu gewinnen, um Branchenführer Aral zu überflügeln.
Die Konkurrenz ist skeptisch. "Wir bleiben da ganz gelassen, weil wir da kein großes Potenzial sehen", sagt Aral-Sprecher Detlef Brandenburg. Der Branchenprimus aus Bochum favorisiert im Gerangel um die tankende Kundschaft stattdessen den Ausbau seiner supermarktähnlichen Shop-Filialen.
Denn vor ziemlich genau zehn Jahren hatte auch Aral auf den Tankwart gesetzt. Langzeitarbeitslose wurden mit Fördermitteln der Arbeitsämter zu Servicekräften umgeschult. "Wir hatten damals eine Zahl von bundesweit 1000 Tankwarten avisiert und auch schon 950 erreicht", erinnert sich Brandenburg. Die Investition habe sich aber für die meisten Tankstellen nicht gelohnt. Heute gebe es bundesweit noch knapp 300 Aral-Tankwarte an lukrativen Standorten.
"Wenig begeistert"
Auch Esso winkt bei der Frage nach einem Tankwart ab. "Wir sehen das nur als einen Auswuchs des Rennens um Marktanteile und fragen uns, wie der Tankwart bei der preissensiblen Kundschaft eigentlich finanziert werden soll", sagt Esso-Sprecher Karl-Heinz Schult-Bornemann.
Shell schult die Tankwarte in einem mehrtägigen Kursus. Die Bezahlung der Helfer muss allerdings der jeweilige Pächter übernehmen. Auf freiwilliger Basis sollen zufriedene Kunden an den Stationen eine Gebühr von einem Euro für die Dienstleistung entrichten. Für die Bezahlung des zusätzlichen Personals reicht das wohl aber nicht aus. Ein Tankwart in einer Shell-Station in Frankfurt-Niederrad wollte sich über die Höhe seiner Entlohnung lieber nicht äußern.
"Unser Partner entscheidet selbst über die Einstellung eines Tankwarts", sagt Shell-Sprecherin Gamalski. "Das stimmt nicht", entgegnet die Geschäftsführerin des Bundesverbands der Tankstellen, Sigrid Pook. Viele Pächter seien vielmehr gezwungen worden, einen Tankwart einzustellen. "Sonst verlieren sie ihren Vertrag", sagt Pook und ergänzt, dies sei "eine ganz tolle Marketingaktion von Shell, die aber der Pächter zahlen muss". Die meisten Shell-Mitglieder im Bundesverband seien darüber "wenig begeistert".
Die Kunden zumindest können diese Diskussion gelassen verfolgen. Die Inanspruchnahme des Tankwarts ist freiwillig. Vorsichtshalber sollten sie aber das Selbertanken nicht verlernen.
Oliver Teutsch, ddp