Zeichen der Zeit: IBM plant Massen-Einstellungen in Indien - DER SPIEGEL
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Zeichen der Zeit IBM plant Massen-Einstellungen in Indien

Der amerikanische Tech-Konzern IBM will einem Bericht der "New York Times" zufolge in diesem Jahr mehr als 14.000 neue Jobs in Indien schaffen. Gleichzeitig streicht das Unternehmen aber 13.000 Stellen an seinen klassischen Standorten - in den USA und insbesondere in Westeuropa.
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New York - Für Marcus Courtney ist der Sachverhalt klar: "IBM treibt das Outsourcing ins Ausland voran, um rücksichtslos Kosten zu kappen und qualifizierte Stellen ins Ausland zu verlagern", sagte der Chef der US-Gewerkschaft WashTech der "New York Times". "Die Gewinner dabei sind die reichsten Konzerne, die Angestellten verlieren."

WashTech ist die Hauptquelle für einen Artikel, der heute in der "New York Times" erschienen ist. Die Gewerkschaft hat nach eigenen Angaben von einem desillusionierten IBM-Mitarbeiter ein internes Dokument zugespielt bekommen, das diese dann an die "Times" weiterreichte. Das Papier sei mit "Vertraulich" überschrieben und stamme aus dem April dieses Jahres, heißt es in dem Bericht. In diesem Dokument werde der Plan für die Einstellungsoffensive in Indien beschrieben.

Eine offizielle Bestätigung von IBM gibt es zunächst nicht. Der Computer- und Beratungskonzern hatte erst im Mai angekündigt, dass er 10.000 bis 13.000 Arbeitsplätze streichen wolle, größtenteils in Europa. Nach Informationen der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di will IBM in diesem Jahr allein in Deutschland 1600 Stellen abbauen.

Nobelpreisträger Stiglitz: "Enorme Auswirkungen auf Löhne"

Im Interview mit der "New York Times" warnte der IBM-Manager Robert Moffat davor, die Entscheidung des Konzerns misszuverstehen. Es ginge mitnichten nur darum, Arbeit an den Standort mit den geringsten Löhnen zu verlagern. "Leute, die sagen, dass es hier nur um Lohnarbitrage geht, verstehen es nicht", wird er zitiert. "Es geht vor allem um Qualifikationen."

Moffat sagte, die Einstellungsoffensive sei Folge des Booms der indischen Wirtschaft. Die Nachfrage nach IT-Beratung auf dem Subkontinent habe stark zugenommen. Zugleich gäbe es einen großen Pool von hochqualifizierten Informatikern in dem Land. Zumindest in den USA sei die Zahl der Beschäftigten bei IBM in den vergangenen Jahren konstant geblieben.

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz, früher Chefvolkswirt der Weltbank, sieht die Entwicklung kritischer. "Was mir Sorge bereitet ist, dass das enorme Auswirkungen auf die Löhne haben könnte", sagte er der "New York Times". "Das wiederum hätte drastische Folgen für die Gesellschaft."