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Wohnungen Zeichen setzen

In Hamburg entsteht die größte staatliche Wohnungsbau-Gesellschaft Deutschlands: 85000 Mieter werden fusioniert.
• aus DER SPIEGEL 31/1972
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Bausenator Caesar Meister zog die Jacke aus und erklärte die »Wiederaufbauphase als beendet«.

Der Wohnungsbau, so referierte er und wischte sich die Stirn, sei in Hamburg »seit 1967 rückläufig«; die Stadterneuerung erweise sich an der Elbe als »unausgewogen«; Personal und Kapital der Hanseatischen Bauunternehmen würden »nicht optimal genutzt«.

Unter der drückenden Hitze an Norddeutschlands Küsten bastelten Hamburgs regierende Sozialdemokraten in den vergangenen Tagen an einer -- so John Leyding, Vorsitzender des Bauausschusses im Rathaus -- »neuen Lösung": Rund um den Hamburger Hafen planten sie die größte staatliche Wohnungsbau-Gesellschaft Deutschlands.

»Nach rundherum etwa 50 Jahren« (Leyding) wollen Hamburgs Senatoren nun sämtliche kommunalen Wohnungsunternehmen der Stadt zu einem Konzern verschmelzen: 85 000 Mieter sollen in den Häuser-Trust eingebracht werden; zwei Milliarden Mark wird die Bilanzsumme erreichen.

Jeder zehnte Hamburger wird durch die »Super-Fusion« ("Die Welt") betroffen. Der Staatskonzern wird in Hamburg doppelt so groß sein wie der gewerkschaftseigene Privat-Trust »Neue Heimat« im gesamten norddeutschen Raum.

Die Wohnungsbau-Gesellschaften der Hansestadt ("Saga«, »DWG«, »Neues Hamburg« und »Freie Stadt") hatten ihre Bautätigkeit bisher lediglich auf einzelne Stadtregionen wie Harburg und die Bezirke um Altona, Wandsbek und Billstedt beschränkt und waren damit. so Bausenator Meister, »den immer notwendiger werdenden städtebaulichen Aufgaben nicht mehr gewachsen«. In den zwanziger Jahren gegründet, trieben die Bezirke-Bauer die Zersiedelung der ohnehin landesbegrenzten Hansestadt beängstigend voran.

Hamburgs Bürgermeister Peter Schulz -- in diesem Sommer ein Jahr im Amt -- zeigte »ganz unmißverständlich« seinen Unmut über solche Zersplitterung: Der Senat habe zu verhindern, daß »junge, aufbauende Familien in das Umland abwandern«. Die Genossen müßten endlich »die Zeichen der Stadtentwicklung und des Wohnungsbaues so setzen, daß das Leben in der Metropole« wieder »sinnvoll und möglich wird.

Denn in der Tat ist die Hansestadt an der Elbe seit Jahren ohne Zuwachs: Die Bevölkerungsentwicklung ist rückläufig. und die Industrieproduktion stagniert. 13 000 Hamburger wichen allein im vergangenen Jahr in die benachbarten Gemeinden Niedersachsens und Schleswig-Holsteins aus; mittelständische Firmen und Großunternehmen folgten ihnen.

Von Jung-Bürgermeister Schulz getrieben, grübelten deshalb die sozialdemokratischen Ratsherren über Pläne, »die Stadt neu zu ordnen« (Meister). Und als erstes verfielen sie der Idee, ihre regionalen Wohnungsunternehmen zu einer zentralen Planungsinstitution zusammenzufassen.

Der neue Wohnbau-Konzern soll bereits in der ersten August-Hälfte als Aktien-Gesellschaft in das Handelsregister eingetragen werden. Mit einem Grundkapital von 151 Millionen Mark wird er sich anschließend eine Tochtergesellschaft für kommunale Bauten (Parkhäuser. Kinderheime, Schulen) zulegen.

Mit Beginn des nächsten Jahres wollen die Hanseaten ohnehin den gesamten sozialen Wohnungsbau in Hamburg nicht mehr aus dem Haushalt, sondern über den Kapitalmarkt subventionieren; ihre Haushaltsmittel wollen sie nur noch für die Zinskosten der Fremdgelder einsetzen-. »Das bedeutet«, weiß Meister, »für unsere kommunalen Bauvorhaben eine Vergrößerung des Etats.«

Südlich der Elbe allerdings, in Harburg -- von der Hamburger City durch Hafenanlagen getrennt -, mögen sich die Genossen mit der bevorstehenden Fusion noch nicht so recht abfinden. Parlamentarier Leyding, zugleich Geschäftsführer der Harburger »DWG": »Ich weiß noch nicht so recht. Wir sind doch mehr als ein Stadtteil.«

Kontert sein künftiger Kollege Hans Borchardt, Geschäftsführer bei »Neues Hamburg« in Wandsbek: »Auf die Realitäten wird man sich auch in Harburg einstellen -- wie bei der Ostpolitik«

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