Zeitarbeit: Unsicher, unverzichtbar, unterschätzt - DER SPIEGEL
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Zeitarbeit Unsicher, unverzichtbar, unterschätzt

In der Krise verlieren Leiharbeiter als erste ihre Jobs. Jüngstes Beispiel: Airbus. Kein Wunder, dass Zeitarbeit noch immer einen schlechten Ruf hat. Doch die Chancen überwiegen, sagen Experten. Denn Leiharbeiter sind gefragter denn je.
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Zürich - Wer will schon auf Zeit arbeiten? Gefragt ist eine Festanstellung, möglichst lebenslang. Zeitarbeit war viele Jahre vor allem etwas für schlecht bezahlte Aushilfen. Doch daran hat sich einiges geändert.

Beim Personaldienstleister Adecco   beispielsweise gibt es kaum noch weniger Geld für einen Zeitarbeiter als für einen Festangestellten im selben Unternehmen. Zum einen gibt es inzwischen Zeitarbeits-Tarifverträge. Zum anderen lassen sich Spezialisten nur mit angemessenen Löhnen gewinnen.

Wohin Adecco Zeitarbeiter etwa in Deutschland vermittelt, sagt das Unternehmen zwar nicht. Experten gehen aber davon aus, dass kein größeres Unternehmen im In- oder Ausland auf sie verzichten kann. In der Branche ist es jedenfalls kein Geheimnis, dass Unternehmen wie Siemens  , DaimlerChrysler   oder Peugeot   bereits einen erheblichen Teil ihrer Fachkräfte über Zeitarbeitsfirmen rekrutiert.

Fest steht, dass die Zeitarbeit in Deutschland boomt. Im Jahr 2005 beschäftigten Zeitarbeitsfirmen laut Bundesverband für Zeitarbeit (BVZ) rund 375.000 Arbeitnehmer - 52.000 mehr als noch im Jahr zuvor. Die Vorteile der Temporärarbeiter liegen auf der Hand: Unternehmen können sie spontan und projektbezogen einsetzen - und sich auch ebenso spontan wieder von ihnen trennen.

So hat zuletzt auch der angeschlagene Flugzeugbauer Airbus gehandelt. Das Unternehmen trennt sich in Deutschland von 1000 seiner insgesamt 7300 Leiharbeiter. Dass es dabei nicht bleiben wird, gilt als sicher.

Dass die Zeitarbeit in Deutschland noch nicht auf eine breite Akzeptanz stößt, ist also kein Wunder. In Großbritannien beispielsweise sind fünf Prozent aller Beschäftigten bei Zeitarbeitsfirmen beschäftigt, in den Niederlanden sind es ungefähr vier Prozent. Deutschland kommt gerade einmal auf ein Prozent. Das soll sich nach den Vorstellungen der Personalvermittler ändern: "Wenn die Akzeptanz der Zeitarbeit steigt, ist es auch gut gegen die Arbeitslosigkeit", sagt Adecco-Chef Dieter Scheiff. Zeitarbeit vereinfache den Einstieg in den Arbeitsmarkt oder den Wiedereinstieg ja auch wieder.

Wachstumsbranche Zeitarbeit

Doch unabhängig von der Frage, inwiefern die ständige Unsicherheit auf Dauer zumutbar ist: Rückgängig machen lässt sich der Trend zur Zeitarbeit sicher nicht nicht. Stattdessen wird in der Branche ein weiteres Wachstum erwartet: Der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) geht davon aus, dass sich die Zahl der Zeitarbeiter innerhalb der nächsten fünf Jahre auf eine Million erhöhen wird.

Zeitarbeiter sind inzwischen derart gefragt, dass ihre Vermittler sogar Personalnotstand beklagen. So erklärte Marktführer Randstad unlängst, rund 6000 offene Stellen zu haben. Gesucht sind offenbar insbesondere Ingenieure und andere qualifizierte Fachkräfte.

Anfang Oktober hat der Personalvermittler Adecco einen prominenten Protagonisten gewonnen: Der ehemalige Wirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement übernimmt den Vorsitz der Forschungseinrichtung "Adecco Institute" in London, das kommende Woche eingerichtet wird. Der Aufgabenbereich des Instituts reicht von der Erforschung der Auswirkungen der Arbeit auf den Einzelnen über die Entwicklung von Modellen zur Organisation von Arbeit in Unternehmen bis hin zu Fragen der Verteilung von Arbeit in der Gesellschaft.

"Ich möchte mit dem Adecco-Institut dazu beitragen, dass die Zeitarbeit in Deutschland europäisches Niveau erreicht", sagte Clement bei Bekanntwerden der Personalie gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Das bedeute, dass der Anteil der Zeitarbeit an der Gesamtbeschäftigtenzahl von derzeit rund einem auf drei bis fünf Prozent steige.

"In Deutschland wird sich die Zeitarbeit dynamischer entwickeln als der Durchschnitt der Wirtschaft", erklärte Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Budesagentur für Arbeit, im Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung". Die Zeitarbeit habe in Deutschland bislang kein gutes Image gehabt: Häufig habe es sich dabei um schwere Arbeit mit kurzen Beschäftigungszeiten gehandelt. Als weitere Probleme nannte Alt Wohnortferne und niedrige Entlohnung. "Das Ansehen steigt aber zunehmend, nicht zuletzt dank interessanteren Tätigkeiten, qualifizierter Arbeit und Tarifverträgen."

ase/manager-magazin.de/dpa

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