Zeitungsbericht: Kein Bahnstreik über Weihnachten - DER SPIEGEL
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Zeitungsbericht Kein Bahnstreik über Weihnachten

Aufatmen vor Heiligabend: Zumindest über Weihnachten sollen die Züge wie gewohnt fahren. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung will die Lokführergewerkschaft GDL nach dem erneuten Abbruch der Tarifverhandlungen über die Feiertage nicht streiken.
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Hamburg – Für viele wäre es eine frohe Botschaft: Die Lokführer wollen über Weihnachten nicht streiken - das berichtet jedenfalls die "Bild"-Zeitung. Ob die Feiertage nach dem erneuten Abbruch der Verhandlungen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) mit der Bahn tatsächlich streikfrei bleiben, wird sich in den nächsten Stunden entscheiden: Nach dem überraschenden Abbruch der Tarifverhandlungen will die GDL heute um 14 Uhr bekanntgeben, ob und wann neue Streiks drohen. Dann soll auch offiziell das Scheitern der Verhandlungen mit der Bahn erklärt werden. Der Weg zu Streiks ist damit theoretisch frei.

Die Gewerkschaft verlangt einen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer. Zuletzt hatten die Lokführer Mitte November gestreikt. An dem 62-stündigen Streik, der im Güterverkehr begann und dann auf den Personenverkehr ausgeweitet wurde, beteiligten sich laut GDL mehr als 10.000 Lokführer und Zugbegleiter.

Die GDL hatte die Tarifverhandlungen mit der Bahn gestern abgebrochen. Urplötzlich hat die Gewerkschaft ein für heute um 18.30 Uhr angesetztes Spitzentreffen mit Bahn-Verhandlungsführern und den Chefs der beiden Konkurrenzgewerkschaften Transnet und GDBA abgesagt. Gründe nannte die Gewerkschaft zunächst nicht. Die Bahn reagierte mit "völligem Unverständnis"

Dabei schien der Weg zu einer Lösung endlich gefunden: Nach monatelangem Zank hatten sich Bahn und GDL darauf geeinigt, einen "eigenständigen Tarifvertrag" für Lokführer auszuhandeln. Gleichzeitig würden die drei Bahn-Gewerkschaften einen Kooperationsvertrag für künftige Tarifgespräche aushandeln. In ihm sollten drei Punkte geregelt werden, sagte Transnet-Chef Norbert Hansen SPIEGEL ONLINE: Erstens die Abstimmung der tarifpolitischen Forderungen der verschiedenen Gewerkschaften, zweitens die Zuständigkeitsgebiete der Gewerkschaften, drittens "die Frage der Verhandlungsabläufe".

Alles lief geordnet: Die Vereinbarung für die Zusammenarbeit zwischen GDL, Transnet und GDBA wurde in den vergangenen Tagen von den Fachleuten des Konzerns und der Gewerkschaften fachlich vorbereitet - dabei sei "atmosphärisch" auch noch alles in bester Ordnung gewesen, sagt zumindest ein Bahn-Sprecher. Unüberbrückbare Gegensätze seien nicht absehbar gewesen.

Bei dem für gestern Abend angesetzten Spitzentreffen zwischen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, Bahn-Personalvorstand Margret Suckale, GDL-Chef Schell und den Chefs von Transnet und GDBA, Norbert Hansen und Klaus-Dieter Hommel, sollten die Eckpunkte der Vereinbarung festgeklopft werden.

Wollte die Bahn die Gewerkschaften zu eng aneinanderbinden? Ein Sprecher der Bahn erklärt, in der Kooperationsvereinbarung sollten GDL, Transnet und DGBA klären, wer "welche Stücke vom Kuchen" fordert: "Es soll vermieden werden, dass die Lohnforderungen sich gegenseitig hochschaukeln." Gewerkschaftschef Schell hatte im Laufe des Konflikts aber immer deutlich gesagt, sich bei Gehältern und Arbeitszeiten der Lokführer überhaupt nicht hineinreden lassen zu wollen.

Klar ist: Die geplatzten Tarifverhandlungen sind eine Katastrophe für den Konzern. Denn kaum hat Schell wieder zum Aufstand gerufen, meldet sich auch Transnet-Chef Hansen lautstark zu Wort. Sollte den Lokführern zu viel zugestanden werden, "könnte die Konkurrenzklausel wieder eine Rolle spielen", sagt er. Damit gemeint: Transnet und GDBA hatten im Sommer mit der Bahn Lohnerhöhungen von 4,5 Prozent vereinbart. Sollte aber eine Berufsgruppe - sprich: die Lokführer - unverhältnismäßig bessere Konditionen herausschlagen, kann die Transnet die Vereinbarung aufkündigen.

Und Hansen setzt noch einen drauf: Man denke sogar darüber nach, "alle bestehenden Tarifverträge aufzukündigen", sagt er. Dann müssten alle Bedingungen neu verhandelt werden - und ab Januar wäre man "raus aus der Friedenspflicht".

Transnet befürchtet offensichtlich, angesichts der neu aufgeflammten Kampfbereitschaft der GDL erneut Mitglieder an die Konkurrenzvereinigung zu verlieren. Hansen formuliert es so: Er vermute, die GDL wolle "über ihr Zuständigkeitsgebiet hinaus" agieren.

amz/ase/AP/dpa

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