Zeitungsmarkt Berlin: Allianz der Erzrivalen - DER SPIEGEL
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Zeitungsmarkt Berlin Allianz der Erzrivalen

Die beiden Verlage Holtzbrinck und Gruner + Jahr (Bertelsmann) wollen ihre defizitären Berliner Blätter "Tagesspiegel" und "Berliner Zeitung" teilweise fusionieren. Ein einmaliger Vorgang in der deutschen Zeitungsszene.
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Berlin - Es gehe nicht darum, dass ein Verlag das Objekt des Konkurrenten übernehme, sondern um eine Verschmelzung möglichst vieler Verlagsabteilungen. Ziel sei eine Win-Win-Lösung, von der am Ende beide Seiten profitierten, hieß es in Verlagskreisen. Die Sorge der Redaktionen, dass nur ein Titel überleben werde, sei daher unbegründet.

Abgesehen davon sei jedoch alles denkbar. Im Extremfall könnten von der Abonnentenverwaltung über die Buchhaltung bis hin zum Vertrieb alle administrativen Abteilungen zusammengelegt werden - mit Ausnahme von Verlagsleitung und Marketing. Die Kosten der Verlagsapparate in Höhe von 20 bis 30 Millionen Mark auf beiden Seiten könnten nach den Berechnungen damit auf die Hälfte gesenkt werden, hieß es weiter. Und mit Einsparungen in der Größenordnung von 10 bis 15 Millionen Mark pro Zeitung könnten beide Blätter schwarze Zahlen schreiben.

Ein Sprecher von Gruner + Jahr (G+J) verwies dazu am Montag auf eine Erklärung des G+J-Vorstandsvorsitzenden Bern Kundrun. Dieser hatte in einem Interview mit der "Berliner Zeitung" vor einigen Tagen gesagt, dass Gespräche mit Holtzbrinck über eine Kooperation bisher nicht zu einem Ergebnis gekommen seien. Derzeit gebe es auch keine neuen Verhandlungen, fügte der Sprecher hinzu.

Während G+J im laufenden Geschäftsjahr bei der "Berliner Zeitung" mit bis zu drei Millionen Mark Verlust kalkuliert, beläuft sich das Minus des "Tagesspiegel" (Holtzbrinck) nach einem Bericht des "Handelsblatt" vom Montag, auf "wohl über 10 Millionen Mark".

Vorbild für einen Kooperationsvertrag der Verlage von "Tagesspiegel" und "Berliner Zeitung" könnte das Vertragswerk zum Berliner Zeitungsvertrieb sein. Mitte der neunziger Jahre hatten sich die Großverlage in Berlin darauf verständigt, den Konkurrenzkampf bei der Zeitungszustellung zu beenden. Seither tragen die Boten jeweils auch die Konkurrenzblätter aus. Im Kooperationsvertrag ist detailliert geregelt, wie die Konkurrenz der Blätter trotz Kooperation im Vertrieb gewährleistet werden kann.

Auf andere Verlagsaktivitäten werde eine mögliche Kooperation in Berlin keinen Einfluss haben, hieß es. Im Bereich Wirtschaftsmedien liefern sich Holtzbrinck und G+J seit Jahren einen erbitterten Konkurrenzkampf. Gemeinsam mit der britischen Financial Times Gruppe brachte der Hamburger Verlag im Februar 2000 die "Financial Times Deutschland" auf den Markt und griff damit das wertvollste Objekt der "Holtzbrinck"-Gruppe - das "Handelsblatt" - direkt an. Gegen das erfolgreiche G+J-Anlegermagazin "Börse Online" platzierte Holtzbrinck im vergangenen Jahr die "Telebörse".