Zeitungsverlage Streik während der WM droht
Frankfurt am Main - Am Mittwoch fällt aller Voraussicht nach die Entscheidung über Streik oder Einigung. Die Tarifparteien setzen sich wieder zusammen - und entscheiden, ob die Drucker jene 3,6 Prozent mehr Lohn oder bekommen, die ihre Gewerkschaft ver.di derzeit mindestens fordert.
Zurzeit ist von Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten wenig zu spüren. Der Arbeitgeberverband Druck und Medien bvdm forderte die Dienstleistungsgewerkschaft auf, ihre Forderung aufzugeben. Ver.di wiederum verlangt ein besseres Arbeitgeberangebot. Sollten die Verhandlungen am Mittwoch scheitern, werde man wolle mit härteren Bandagen kämpfen.
Wirtschaftlichen Schaden anrichten
Bisher seien die Warnstreiks kurz und berechenbar gewesen, sagte ver.di-Verhandlungsführer Frank Werneke am Dienstag in Frankfurt. Lediglich einige Zeitungen seien mit geringerem Umfang erschienen. Ein Scheitern der Verhandlungen könne zum Strategiewechsel der Gewerkschaft, einer Urabstimmung und zu mehrtägigen Streiks führen. Mitten in der Fußball-Weltmeisterschaft sei dann ein "längerer Arbeitskampf" möglich, bei dem Verlage in einer für die Arbeitgeber "unberechenbaren" Weise bestreikt werden könnten. Ziel werde es dann sein, "deutlichen wirtschaftlichen Schaden anzurichten".
Das bisher letzte Angebot der Arbeitgeber war ein Korridor von 2,5 bis 2,8 Prozent mit einer Laufzeit von weniger als 24 Monaten. Werneke wies dies als unzureichend zurück, verlangte eine Laufzeit von 12 Monaten und monierte, die Arbeitgeber hätten seit zwei Verhandlungsrunden "kein substanzielles Angebot mehr vorgelegt". Offensichtlich strebten die Arbeitgeber einen Abschluss unter drei Prozent an.
Im Windschatten der Metaller
Die Arbeitgeber seien scheinbar bemüht, die junge Gewerkschaft "auszutesten", sagte Werneke. Die 220.000 Beschäftigten der Druckindustrie seien jedoch fest entschlossen, sich nicht von der allgemeinen Lohn-Entwicklung abkoppeln zu lassen. Der Metall-Abschluss, bei dem nach Streiks in Baden-Württemberg, Berlin und Brandenburg zumindest in der ersten von zwei Phasen eine Lohnsteigerung um vier Prozent vereinbart wurde, motiviere die Drucker, nicht kleinbeizugeben.
Für Mittwoch hat ver.di erneut zu Warnstreiks aufgerufen. Trotz aller Drohgebärden schloss Werneke nicht aus, dass es beide Seiten am Mittwoch noch zueinander finden: "Es ist eine 50 zu 50 Entscheidung."