Zerschlagungsplan US-Milliardär will Time Warner vierteilen
New York - Icahn und die von ihm geführte Investorengruppe hatten die Investmentbank Lazard damit beauftragt, eine Strategie für Time Warner vorzulegen. Die ist nun fertig und sieht vor, den Medienkonzern ("Time", Warner Bros.) in vier separate Aktiengesellschaften aufzuspalten.
Das Kernunternehmen Time Warner soll demnach nur noch die frei und über Kabel empfangbaren Fernsehkanäle sowie die Filmsparte Warner Brothers behalten. Die Onlinesparte AOL, die Verlagssparte und Time Warner Cable, der zweitgrößte Kabelfernseh-Betreiber der USA, sollen in jeweils selbstständige Aktiengesellschaften überführt werden.
Buchgeschäft fällt an Franzosen
Der Investor Icahn und seine Partner halten zusammen etwas mehr als drei Prozent der Time-Warner-Aktien. Sie glauben, dass die Einzelteile von Time Warner insgesamt mehr wert sind als das heutige Konglomerat, dem sie eine aufgeblähte Kostenstruktur und zahlreiche geschäftliche Fehler während der vergangenen Jahre vorwerfen. Den bisherigen Chef von Time Warner, Richard Parsons, will Icahn durch einen früheren Manager des Medienunternehmens Viacom ersetzen.
AOL ist nach der Lazard-Analyse 17,5 bis 21 Milliarden Dollar wert, die neue, verkleinerte Time Warner 55,8 bis 61,3 Milliarden, die Verlagsfirma 12,6 bis 14,1 Milliarden und Time Warner Cable 43,3 bis 48,5 Milliarden Dollar. Den Gesamtwert der vier separaten Unternehmen beziffert Lazard auf 129,3 bis 145 Milliarden.
Der aktuelle Gesamtwert der Time- Warner-Aktien in New York hingegen betrug gestern 86,5 Milliarden Dollar. Icahn und Partner vesprechen so, den Wert der Konzernteile um insgesamt rund 40 Milliarden Dollar zu steigern. Ihr Plan sieht zudem vor, dass Time Warner eigene Aktien im Wert von 20 Milliarden Dollar zurückkauft.
Time Warner ist Icahn in einem Punkt zuvorgekommen - der Konzern hat bereits beschlossen, seine Buchsparte, Time Warner Books, an den französischen Industriekonzern Lagardère zu verkaufen. Der rückt damit nach eigenen Angaben zum drittgrößten Buchkonzern der Welt auf.
Verglichen mit den Milliardensummen, mit denen Icahn operiert, wirkt der Verkaufspreis für das Buchgeschäft aber fast bescheiden - vereinbart wurden 450 Millionen Dollar. Time Warner Books gibt als Publikumsverlag unter anderem US-Bestseller der Autoren Nelson DeMille und Nicholas Sparks, aber auch Sach-, Kinder und Hörbücher heraus. Als Groß-Buchvertrieb wirkt das Unternehmen unter anderem für den Disney-Konzern und Microsoft. Zur Verlagssparte von Time Warner gehört noch das Magazingeschäft ("Time", "Fortune").
Die Time-Warner-Aktien verloren im US-Handel gestern 1,13 Prozent auf 18,36 Dollar.
itz/AFP/dpa