ZEW-Indikator: Experten befürchten Schwächephase - DER SPIEGEL
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ZEW-Indikator Experten befürchten Schwächephase

Volkswirte und institutionelle Investoren bekommen allmählich Angst vor der eigenen Courage: Die deutsche Wirtschaft läuft zwar weiterhin auf vollen Touren, doch immer weniger Experten glauben, dass sich das Wachstumstempo noch steigern lässt.
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Berlin - Der Index der ZEW-Konjunkturerwartungen ging von 24 Punkten im Mai auf 20,3 Punkte zurück, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) heute in Mannheim mitteilte. Das war der erste Rückgang nach zuvor sechs Anstiegen in Folge. Das Barometer blieb damit unter seinem langjährigen Durchschnitt von 33,0 Zählern.

"Die Lagebeurteilung ist nach wie vor hervorragend, aber die konjunkturelle Dynamik wird sich nach Ansicht der Experten nicht weiter beschleunigen", interpretiert ZEW-Präsident Wolfgang Franz die monatliche Umfrage unter 300 Finanzmarktprofis. Nach leicht rückläufigen Auftragseingängen im April und angesichts einer historisch außergewöhnlich guten Lageeinschätzung habe der Anteil der Experten, die eine weitere Verbesserung der konjunkturellen Entwicklung erwarten, abgenommen. "Insgesamt zeugen Lage- und Erwartungskomponente jedoch von guten konjunkturellen Perspektiven." Die deutliche Mehrheit der Analysten gehe von einer unveränderten Entwicklung der Konjunktur aus.

Der ZEW-Konjunkturindikator gilt als ein wichtiger Stimmungsindikator der deutschen Wirtschaft. Für ihn werden regelmäßig rund 300 Analysten und institutionelle Anleger befragt. Von Reuters befragte Experten hatten im Schnitt mit einem Anstieg auf 29,0 Punkte gerechnet. Die aktuelle Lage schätzten die Umfrageteilnehmer etwas besser ein als im Vormonat. Der Teilindex kletterte auf den Rekordwert von 88,7 Punkten. Hier war ein leichter Rückgang auf 87,5 Punkte erwartet worden.

"Wir dachten natürlich auch, dass da noch ein bisschen Luft nach oben ist", kommentierte Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort das Ergebnis. Allerdings stünden die belastenden Faktoren ebenfalls deutlich im Raum: steigende Rohstoffpreise, steigende Zinserwartungen sowohl am kurzen als auch am langen Ende. "All das hat offensichtlich auf die Stimmung bei den Investoren durchgeschlagen."

"Das Ergebnis ist Enttäuschung und Rätsel gleichermaßen", ergänzte Andreas Scheuerle von der Dekabank. Die Rahmenbedingungen seien eigentlich sehr gut und hätten für einen weiteren Anstieg der Erwartungen gesprochen: "An den Aktienmärkten läuft es sehr gut, etliche Konjunkturprognosen wurden angehoben, und auch die US-Indikatoren überraschten positiv. Das war eigentlich ein bunter Wohlfühl-Mix. Angesichts der sehr guten Lage halten es viele Experten wohl nicht für möglich, dass es noch besser kommen kann. Auch nach dem Rückgang der ZEW-Konjunkturerwartungen stehen die Zeichen aber weiter auf Aufschwung."

mik/Reuters/ddp/dpa-AFX