ZEW-Indikator Konjunktur droht zu kippen
Berlin - Das vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelte Konjunkturbarometer sank von minus 5,6 auf minus 22,2 Punkte, wie das ZEW mitteilte. Damit fiel der aus einer Umfrage unter rund 300 Analysten und institutionellen Anlegern ermittelte Indikator den achten Monat in Folge und erreichte den tiefsten Stand seit Januar 1999.
Das ZEW führt den Rückgang unter anderem auf die anstehende Mehrwertsteuererhöhung zurück. Dadurch würde der private Konsum im Inland zu Beginn des Jahres 2007 nachlassen. Außerdem werde mit einer schwächeren Nachfrage nach deutschen Exportgütern gerechnet, vor allem wegen einer Abschwächung der US-Konjunktur. Durch die Zinserhöhungspolitik der Europäischen Zentralbank hätten sich zudem Investitionen verteuert.
Die aktuelle Konjunkturlage bewerten die Experten dagegen positiver als im Vormonat. Der entsprechende Indikator sei von 33,6 Punkten im August auf 38,9 Punkte im September gestiegen. "Das erneute Auseinanderlaufen von Lage und Erwartungen weist darauf hin, dass die derzeitige erfreuliche wirtschaftliche Situation im nächsten Jahr umzukippen droht", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. "Die Bundesregierung sollte diese Alarmsignale nicht überhören und die bedenkliche Schieflage in ihrem wirtschaftspolitischen Kurs korrigieren", riet Franz.
Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Rückgang des ZEW-Indikators auf minus 7,8 Punkte gerechnet. Die aktuelle Lage bewerteten die vom ZEW befragten Finanzmarktprofis mit 38,9 nach 33,6 Punkten im August. Die Erwartungen für die Euro-Zone gaben ebenfalls deutlich auf minus 10,2 von 1,3 Punkten nach.
Der Index gibt die Differenz der positiven und negativen Einschätzung für die künftige Wirtschaftsentwicklung auf Sicht von sechs Monaten wieder. An der monatlichen Umfrage beteiligten sich im August 307 Analysten und institutionelle Anleger.
tim/kaz/Reuters/dpa/dpa-AFX