Ziff-Davis-Verlag: Panik im Heim der Dot.com-Postillen - DER SPIEGEL
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Ziff-Davis-Verlag Panik im Heim der Dot.com-Postillen

Ziff Davis, der legendäre US-Verlag für PC-, Internet- und Gaming-Zeitschriften, geht womöglich noch diese Woche in die Pleite. Auch neue Titel wie "Xbox Nation" halfen nicht, den freien Fall zu stoppen.
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New York/San Francisco - Die Auflage lag bei über einer Million und kletterte in den letzten Monaten sogar wieder. Der Name des Magazins konnte zugkräftiger kaum sein. Die Leserschaft hing loyal an ihrem Blatt. Geholfen hat es alles nichts. Am Unabhängigkeitstag stand die Nachricht in den US-Zeitungen: "Yahoo! Internet Life", einer Art Programmzeitschrift für das Web, wird sechs Jahre nach Gründung der Garaus gemacht.

Für Ziff Davis Media war es die sechste Magazin-Beerdigung in zwölf Monaten. Das Haus, das Ende der neunziger Jahre mit Techie-Postillen zu Themen wie PCs, E-Commerce und Computerspielen die ganze Welt erobern wollte, regiert gerade noch über neun zumeist zwergenhafte Blätter. Vergessen sind die Jahre, als der legendäre Dot.com-Samurai und Yahoo!-Finanzier Masayoshi Son hier als Haupteigentümer sein Ego verwirklichen wollte. Ziffs Schulden von derzeit rund 450 Millionen Dollar übersteigen den Gesamtumsatz des vergangenen Quartals fast um das Zehnfache.

Aufstieg, Fall und Knall

Noch in dieser Woche dürfte nach Informationen der "New York Times" offiziell der Bankrott folgen. Schon seit Mai ringt Ziff um ein Sanierungskonzept, das die Schuldenlast um über 150 Millionen Dollar drücken soll. Vermutlich wird sich nicht der erforderliche Prozentsatz der Gläubiger bereit erklären, freiwillig auf Geld zu verzichten. "Es mag so aussehen, als ob wir hier bald das Licht ausknipsen", wand sich Ziff-Finanzvorstand Bart Catalane im Interview der "Mediaweek".

In der Historie des Internet-Booms, das werden kommende Nachrufe betonen, hat Ziff Davis einige wichtige Kapitel beigesteuert. Das Verlagshaus gehörte lange zur einflussreichen Ziff Davis Group, die auch den Organisator der Computermesse Comdex und den Internet-Nachrichtenkanal ZDNet umfasste, einen wichtigen Konkurrenten von Heise und CNet. Für Son, den Gründer der japanischen Softbank, der sich mitunter in Samurai-Kluft ablichten ließ, war der Einstieg bei ZD die erste, wegweisende US-Investition vor Engagements bei Yahoo!, E-Trade und anderen Dot.coms.

Als eine der ersten AGs emittierte Ziff Davis "Tracking Stocks" - inzwischen verrufene Sparten-Aktien, mit denen Anleger in die hoch fliegenden Hightech-Ableger von Konglomeraten investieren konnten, ohne dafür Stimmrechte zu erhalten. Wenige Monate vor dem Platzen der Nasdaq-Blase stieß das Unternehmen die Old-Economy-Sparte - das Verlagsgeschäft - ab und verkaufte sie für von 780 Millionen Dollar an die Investment-Gesellschaft Willis Stein & Partners. Skeptikern erschien es schon damals als schreiender Zeitgeist-Wahnsinn, sich vollauf aufs Internet zu spezialisieren. Aber auch Willis Stein hat sich mit dem teuren Investment wohl mächtig verhoben.

"Streiche und verbrenne"

Einige Bastionen hat Ziff noch halten können. Das Prestigeobjekt "PC Magazine" behauptet sich als Marktführer in seinem Segment und erreicht als letztes Ziff-Objekt über eine Million Käufer. Mit Titeln wie "Computer Gaming World" oder "PlayStation Magazine" bedient Ziff mehr konsumverrückte Gamer als jeder andere Verlag. Mit neuen Kindern wie "Xbox Nation" müht sich das Haus von seiner Dependance in San Francisco aus, diese Stärke auszubauen.

Doch mag der Verlag prinzipiell noch so gut positioniert sein - die Anzeigenbaisse ist der Quell allen Übels. Die Yahoo!-Illustrierte, zu der das Portal übrigens nichts als den Namen beisteuerte, druckte in ihrer finalen Ausgabe weniger als ein Dutzend Annoncen. Im zweiten Quartal 2002 rutschten die gesamten Werbeerlöse gegenüber dem schon schwachen Vorjahr um fast 40 Prozent. Ziff hat immer noch nicht verkraftet, dass der kreditfinanzierte Anzeigen-Inzest der neunziger Jahre weggefallen ist, als Dot.coms bei Dot.coms eifrigst Werbung hin- und herschalteten.

Selbst wenn es Ziff gelingt, nach einem Bankrott seine Finanzen zu ordnen - die "Streiche und verbrenne"-Sanierung dürfte weitere potenzielle Werbekunden vergrätzen. Einem Verlag, der alle paar Monate ein Magazin einstellt, dürfte es schwer fallen, langfristig Glaubwürdigkeit zu bewahren. Trösten kann die Publizisten vielleicht, dass es früheren Weggefährten nicht besser geht. Dot.com-Samurai Son kann die Softbank-Schulden offenbar nur noch mit Notverkäufen bedienen und bekam jüngst Krach mit japanischen Finanzaufsehern. ZDNet, Ziffs ehemaliger Internet-Arm, fiel wiederum schon Mitte 2000 dem Konkurrenten CNet in die Hände. Und auch dessen Aktienkurs ist seither von über 30 Dollar nur gesunken, gefallen, gestürzt - auf zuletzt 1,15 Dollar.