Zinsen: "Gefährliche Sache" - DER SPIEGEL
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Zinsen "Gefährliche Sache"

Der Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, Martin Hüfner, glaubt, dass die EZB den optimalen Zeitpunkit für eine Zinssenkung verpasst hat. Jetzt sei sie in der Defensive.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL:

Dreimal hat die US-Notenbank in diesem Jahr bereits die Zinsen gesenkt, trotzdem fallen die Aktienkurse weiter. Wieso verpuffen die Aktionen?

Hüfner: Jede geldpolitische Entscheidung entfaltet ihre Wirkung erst mit einer Verzögerung von etwa einem halben Jahr. Außerdem ist es immer sehr viel schwerer, mit Zinssenkungen Effekte zu erzielen als mit Zinserhöhungen.

SPIEGEL: Können niedrigere Zinsen in dieser Situation dann überhaupt helfen?

Hüfner: Wir müssen nur etwas Geduld haben. Die Zentralbank lotet jetzt aus, wie tief sie mit den Zinsen gehen muss. Wenn es mit der US-Wirtschaft tatsächlich so schlecht bestellt ist, dürfte der Boden noch nicht erreicht sein, weitere Zinsschritte werden folgen, und die werden ihre Wirkung nicht verfehlen.

SPIEGEL: Hätte auch die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen senken sollen?

Hüfner: Sie hat gerade einen optimalen Zeitpunkt verpasst. Nun ist sie in der Defensive und gerät unter Druck.

SPIEGEL: Was ist die Konsequenz?

Hüfner: Wir erleben ganz neue Mechanismen auf dem Devisenmarkt. Weil die EZB nicht die Zinsen senkt und so die Konjunktur ankurbelt, übernimmt der Markt ihre Rolle: Er schwächt den Euro und fördert damit den Export. Das ist zwar ökonomisch sinnvoll, aber politisch eine ganz gefährliche Sache. Immerhin wird in neun Monaten das Euro-Bargeld eingeführt, bei der Bevölkerung jedoch hat die neue Währung in den vergangenen Wochen wieder deutlich an Vertrauen verloren.