Zinssenkung: Wann folgt die EZB der Fed? - DER SPIEGEL
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Zinssenkung Wann folgt die EZB der Fed?

Nach dem Zinsschritt der amerikanischen Notenbank wächst der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), ebenfalls die Zinsen zu senken. Der ifo-Geschäftsklimaindex, ein Frühindikator für Deutschlands wirtschaftliche Entwicklung, sank im Februar stärker als erwartet.
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München / Frankfurt - Der Geschäftsklimaindex für Westdeutschland sank im Februar auf 94,9 Punkte von 97,5 Punkten im Vormonat und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Mai 1999. Analysten hatten nur einen Rückgang auf 96,7 Punkte prognostiziert. Es sei keine Rezession in Deutschland zu befürchten, doch könnte der zyklische Abschwung noch einige Monate andauern, sagte ifo-Volkswirt Gernot Nerb.

"Die Inlandsnachfrage erfüllt nicht die Erwartungen, auch die Beschäftigungserwartungen der Industrie sind leicht nach unten gerichtet", sagte Nerb. Die Exportaussichten seien deutlich zurückgenommen worden. Der Volkswirt rechnet mit einer ausgeprägten Delle. "Wenn die Bundesbank noch über die Zinsen zu entscheiden hätte, hielte sie meiner Meinung nach eine schnelle Zinssenkung jetzt für angemessen", sagte Nerb. Da die EZB aber den gesamten Euro-Raum im Auge haben muss, sei ihre Lage etwas schwieriger. Der Leitzins in der Euro-Zone liegt derzeit bei 4,75 Prozent.

Analysten rechnen damit, dass die EZB die Zinsen bereits im April senken wird. Der Euro verlor nach den schwachen Daten rund ein Drittel US-Cent und fiel unter die Marke von 0,90 Dollar. "Der Druck auf die EZB, die Zinsen eher früher als später zu senken, hat sich erhöht. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung am 11. April ist gestiegen", sagte Herve Goulletquer von Credit Lyonnais in Paris.

Jörg Krämer von Invesco Management schließt sogar eine Zinssenkung auf dem nächsten EZB-Ratstreffen am 29. März nicht aus. "Nach diesen schwachen Zahlen ist eine EZB-Zinssenkung vielleicht noch in diesem Monat, spätestens aber im April wahrscheinlich." Allerdings sprächen der schwache Euro-Kurs und die Entwicklung der Verbraucherpreise in der Euro-Zone gegen eine unmittelbare Zinssenkung. Auch werde die EZB den Eindruck vermeiden wollen, der Zinssenkung in den USA vom Dienstag hinterher zu rennen.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, forderte die Europäische Zentralbank bereits auf, die Leitzinsen ebenfalls kurzfristig im gleichen Umfang zu senken. Dieser Schritt sei "schon seit einiger Zeit überfällig", sagte Zimmermann der "Berliner Zeitung".

EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing hatte vor der Bekanntgabe der ifo-Daten in München gesagt, die Wachstumsaussichten für Deutschland hätten sich eingetrübt, doch blieben die allgemeinen Wachstumsbedingungen robust. Auf die Frage, ob die US-Leitzinssenkung die EZB beeinflussen werde, sagte Issing: "Die Fed hat das gemacht, was sie für richtig hält, und wir werden das tun, was wir für richtig halten."

Zum Vorschlag des DIW, die EZB solle wie die Federal Reserve die Zinsen senken, wies das EZB-Direktoriumsmitglied darauf hin, dass man "schon viele gute und schlechte Ratschläge" bekommen habe. Die Europäische Zentralbank bilde sich ihr eigenes Urteil und treffe danach ihre Entscheidung.