Zoff bei Infineon Aufsichtsrat verjagt Schumacher
Der Aufsichtsrat habe von seinem Recht Gebrauch gemacht, seinem Vorsitzenden, dem früheren BASF-Finanzvorstand Max Dietrich Kley, vorübergehend den Vorstandsvorsitz zu übertragen, teilte Infineon am Donnerstag in München mit. Zu den Gründen für den Rückzug Schumachers wollte sich ein Sprecher auf Anfrage nicht äußern.
Schumacher war seit 1. April 1999 und damit seit Gründung der Infineon Vorstandsvorsitzender des Unternehmens. Der promovierte Elektrotechniker war seit 1986 für Siemens im Halbleiterbereich tätig. Im Frühjahr 2000 wechselte Schumacher als Chef zu Infineon. Dort leitete er den Gang in die Unabhängigkeit und führte Infineon an die Börse. In den vergangenen drei Jahren verbuchte Infineon allerdings hohe Verluste.
Schumacher galt von jeher als einer der umstrittensten Manager eines deutschen Großkonzerns und hatte sich mehrfach mit der Arbeitnehmervertretung angelegt. So war sein Plan, jährlich einen gewissen Prozentsatz an leistungsschwachen Mitarbeitern, die keine Besserung zeigten, auszusondern, auf heftige Kritik gestoßen. Bundesweit hat der Hobbyrennfahrer zudem Aufsehen erregt, weil er aus steuerlichen Gründen eine Firmensitzverlagerung ins Ausland androhte. Branchenkreisen zufolge hatte dieses Vorgehen auch beim ehemaligen Mutterkonzern Siemens - nach wie vor Anteilseigner bei Infineon - Unmut erzeugt. Zudem warfen Aktionärsschützer Schumacher auf der Hauptversammlung im Januar wegen eines üppigen Aktienoptionsprogramms Selbstbedienung vor.
Schumacher tritt in einer Phase ab, in der Infineon nach einer langen Phase der Verluste wieder Gewinne schreiben konnte. Anfang des Jahres hatte Schumacher erklärt, alle Indikatoren zeigten, dass sich die Branche nun wieder in einer Aufschwungphase befinde. Analysten hatten allerdings bis zuletzt kritisiert, dass Infineon seine Abhängigkeit vom stark schwankungsanfälligen Geschäft mit Speicherchips bislang kaum reduzieren konnte.
Wenig Freunde im Unternehmen
Bei der Infineon-Aufsichtsratssitzung, die zur Ablösung von Konzernchef Ulrich Schumacher führte, hat es laut IG Metall einen heftigen Richtungsstreit gegeben. Unter der Überschrift "Aus der Kurve getragen" teilten die Gewerkschafter mit, zwischen Schumacher, dem für das operative Geschäft zuständigen Vorstand Andreas von Zitzewitz und Finanzchef Peter Fischl habe es seit längerem Streit über den Führungsstil gegeben. Kurzfristig sei der Aufsichtsrat am Donnerstag einberufen worden. "Da hat es gekracht", sagte ein Gewerkschafter in München. Es sei zu einer Generalabrechnung über die Strategie des Halbleiter-Konzerns in den vergangenen Jahren gekommen.
Schumacher ist nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen am Donnerstag zu seinem Rücktritt gezwungen worden. Der Aufsichtsrat habe ihm einstimmig nahegelegt, sein Amt niederzulegen, berichtet die dpa. Falls er dies nicht getan hätte, hätte der Aufsichtsrat auch formal die Konsequenzen gezogen. Daher sei der Rücktritt keine freiwillige Entscheidung.
"Ein wesentlicher Punkt dabei war offenbar der von vielen als selbstherrlich kritisierte Führungsstil Schumachers", heißt es in der IG-Metall-Mitteilung. Dieser habe unter anderem eine wenig behutsame Personalpolitik und die rigide Auslagerung von Arbeitsplätzen betrieben. Daher sei sein Abtritt kaum zu bedauern.
Infineon-Aktien schwächer
An der Börse rutschte die Infineon-Aktie nach der Mitteilung auf 11,02 Euro ab. Sie lag damit gegen den Markttrend um 1,2 Prozent unter dem Vortagesschluss. Händler sagten, der Markt sei von der überraschenden Nachricht verunsichert. "Das ist eine merkwürdige Aktion. Normalerweise macht man so etwas geordnet, vielleicht am Wochenende und mit einer Pressekonferenz, und stellt auch noch den Nachfolger vor. So hat das Ganze einen merkwürdigen Beigeschmack", sagte ein Händler.