ARCOR Zorn auf den Großaktionär
Auf der Aufsichtsratssitzung der Frankfurter Telefongesellschaft Arcor in der vergangenen Woche ging es turbulent zu: Aufsichtsräte warfen einem Großaktionär »Erpressung« und »Nötigung« vor und drohten mit Rücktritt, wenn der Mann seine für das »Unternehmen bedrohliche Blockadepolitik« nicht aufgebe. Gemeint ist Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, der als Minderheitsgesellschafter von Arcor bereits vor Monaten den geplanten Börsengang des Unternehmens hatte scheitern lassen. Denn Mehdorn will Teile des 1996 an Arcor verkauften Telefonnetzes der Bahn, insbesondere die Schienen- und Signaltechnik, zurückhaben. Zwar will Arcor-Chef Harald Stöber diesen von Mehdorn reklamierten Bereich in eine neue Gesellschaft ausgliedern, an der die Bahn bis 2004 die Mehrheit übernehmen kann, auch über den Kaufpreis in Höhe eines zweistelligen Milliardenbetrags haben sich die beiden geeinigt. Doch Mehdorn, so klagt das Telefonunternehmen, verschleppe die Verhandlungen mit immer neuen Forderungen. Als Druckmittel setzt der Bahn-Chef nicht nur seine Sperrminorität bei Arcor (18 Prozent) ein, sondern weigert sich auch seit Monaten, Rechnungen in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro an Arcor zu begleichen. Die sollen stattdessen mit dem Kaufpreis verrechnet werden. Schon vor Wochen hatte der Arcor-Betriebsrat den Bundeskanzler um Hilfe in den zähen Verhandlungen mit dem Staatsunternehmen gebeten. Inzwischen hat sich die Lage weiter zugespitzt, denn Arcor braucht für Investitionen Geld aus dem Börsengang. Wegen der nach wie vor ungeklärten Zukunft von Arcor, so ein Aufsichtsrat, zeigten sich schon Großkunden verunsichert.