Zu unkritisch: Bank feuert Aktienpapst Ochner - DER SPIEGEL
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Zu unkritisch Bank feuert Aktienpapst Ochner

Kurt Ochner, der "Nebenwerte-Papst" des Neuen Marktes, ist arbeitslos. Das Bankhaus Julius Bär begründete seine Entlassung damit, der Fondsmanager sei zu stark in die beobachteten Unternehmen involviert gewesen.
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Frankfurt am Main - Wie das Bankhaus am Montag in Frankfurt am Main mitteilte, hat es seinen einstigen Superstar mit sofortiger Wirkung von allen Aufgaben entbunden. Die Nachricht sorgte am Neuen Markt für heftige Turbulenzen.

Der Aufsichtsrat habe den Schnitt auf Grund unterschiedlicher strategischer Auffassungen in Geschäftsangelegenheiten vollzogen, hieß es. Die bislang von Ochner betreuten Small-Cap-Funds übernehme Carlo Seregni.

Zur Begründung für die schnelle Trennung sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Leo Schrutt, Ochner habe sehr viel Zeit für Dinge aufgewendet, die nicht Bestandteil des Fondsmanager-Geschäfts seien. Auch sei er "sehr nahe" bei den Unternehmen gewesen. Vor allem in der Pionierphase des Neuen Markts habe er zeitweilig mehr die Rolle eines Beraters als die eines Fondsmanagers gespielt. "Wir sehen seine Zukunft auch eher dort", sagte Schrutt.

Diese Positionierung Ochners habe in der ersten Phase des Wachstumssegments ihre Berechtigung gehabt, das belegten nicht zuletzt seine Erfolge. Nunmehr befinde sich der Neue Markt allerdings in einer Konsolidierungsphase. Das erfordere eine andere Strategie.

Obwohl Ochner in der Vergangenheit durch Medienberichte "zwischen den Zeilen" in den Verdacht des Insiderhandels gerückt worden war, sei sein Abschied nicht von den Kunden gefordert worden. Vielmehr habe Ochner als Experte für den Neuen Markt sehr viel zur Profilierung von Julius Bär beigetragen.

Die Entlassung sorgte nach Aussage von Händlern für große Nervosität bei Marktteilnehmern. Es wird befürchtet, dass die Neue-Markt-Favoriten des einstigen "Nebenwerte-Papstes" unter Druck kommen könnten, wenn sein Nachfolger andere Schwerpunkte setzen sollte. Möglicherweise stünden die Kursverluste bei Bäurer, Biodata, Medion und Novasoft sowie der Einbruch bei Cattoossee in diesem Zusammenhang.

Die Frankfurter Fondsgesellschaft betreut mit 30 Mitarbeitern mehr als vier Milliarden Euro. Davon entfallen nach Angaben von Julius Bär rund 2,5 Milliarden Euro auf Investmentfonds. Zu den von Kurt Ochner betreuten Small-Cap-Fonds gehören auch der Julius Bär Special German Stock Fund und Julius Bär Creativ Fund.