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BOTSCHAFTSGEBÄUDE Zu verkaufen

• aus DER SPIEGEL 14/1951
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mrs. Gwendolyn Cafritz möchte ihren nächsten Ball gern in dem früheren deutschen Botschaftsgebäude in Washington veranstalten. Die Frau des millionenschweren Grundstücksmaklers und Regierungsbaumeisters Cafritz versucht seit Wochen, das deutsche Gebäude in der Massachusetts Avenue zu kaufen, das als Feindvermögen zum Verkauf steht.

Die schwarzhaarige Gesellschaftsdame hatte den Vertrag fast schon in der Tasche, als der republikanische Senator Hugh Butler im Senat laut erklärte, ein solcher Verkauf des deutschen Eigentums im jetzigen Augenblick sei taktlos, schade dem Ansehen der USA und lasse sich mit dem gerade verkündeten Recht auf deutsche Auslandsvertretungen nicht vereinbaren.

Senatskollege Langer aus dem deutschstämmigen Norddakota (Hauptstadt Bismarck) stimmte ihm bei und meinte, er spreche im Namen von 33 Millionen Deutsch-Amerikanern gegen die offizielle Beschlagnahmepolitik.

Gemeinsam forderten Butler und Langer das Justizministerium auf, die Beschlagnahme deutscher Patente, Beteiligungen, Erbschaften und Markenzeichen

durch den staatlichen Property Custodian endlich einzustellen. Sie wiesen darauf hin, daß besonders die amerikanische Chemie-Industrie auf eine solche Dauerbeschlagnahme hinarbeite. Das Botschaftsgebäude stelle in dem Komplex »Feindvermögen« nur ein winziges Objekt dar.

Mrs. Cafritz aber legt großen Wert auf die 70 Räume in der Massachusetts Avenue. Und in Washingtons Teezirkeln gibt man der kauflustigen Maklersfrau große Chancen, denn nirgends werden Senatoren, Bürochefs und Minister so gut gefüttert und unterhalten wie bei Cafritzens.

Mit Ausnahme von Präsident Truman selbst war schon jeder Kabinettsminister bis zum Vizepräsidenten hinauf Gast bei Mrs. Cafritz.

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