Zukunftsstudie: Jetzt wird in die Hände gespuckt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Zukunftsstudie Jetzt wird in die Hände gespuckt

Das Vertrauen in den Staat ist erschüttert, die Zukunftsangst nimmt zu. Aber das muss keineswegs Stillstand bedeuten. Eine Studie sagt eine neue Leistungslust voraus.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Der Mann mag markige Worte. "Schlaraffenland ist abgebrannt", sagt Freizeitforscher Horst Opaschowski, als er seine Studie "Deutschland 2020. Wie wir morgen leben" dem Publikum vorstellt. Die ersten Weisheiten, die er zu bieten hat, sind nicht gerade neu. Das Vertrauen der Bürger, dass Vater Staat es schon richten wird, sei erschüttert, so Opaschowski.

In den großen Chor der Pessimisten will der Freizeitforscher diesmal jedoch nicht einstimmen. Seiner 500 Seiten starken Studie zufolge nehmen die Bürger nämlich Abschied vom Obrigkeitsstaat, sie entwickeln sich zu "aktiven Realisten". Und wieder hat der Chef des BAT-Freizeit-Forschungsinstituts dafür eine griffige Formel: "Die Deutschen werden erwachsen". Die Leistungsgesellschaft (63 Prozent) und nicht die Anspruchsgesellschaft (34 Prozent) bestimme nach Ansicht der Bevölkerung die Entwicklung, so die etwas wissenschaftlichere Formulierung.

In ihrer Untersuchung befragten die Zukunftsforscher 2000 Deutsche im Alter ab 14 Jahren. 83 Prozent gaben an, Angst vor Arbeitslosigkeit zu haben. Sorgen um Gesundheitsvorsorge (68 Prozent), Kriminalität (59 Prozent), Terrorismus (58 Prozent), Mindestrente (57 Prozent) waren ebenfalls weit verbreitet. 43 Prozent der Befragten meinten sogar, dass "der Sozialstaat kippt".

"Weitgehend einig sind sich die Bundesbürger in einem: Es wird ihnen in Zukunft sicher nicht besser gehen als heute", sagt Opaschowski. "Eher werden sie sich subjektiv schlechter fühlen und den Eindruck haben, dass sie ärmer werden und einen Teil ihrer Lebensqualität verlieren." Besondere Hoffnung setzt der Zukunftsforscher in die Jugend. Wie nie zuvor in den vergangenen 20 Jahren wachse nun eine Generation heran, die sich vor allem durch Leistung definiert. Die Leistungsorientierung stieg von 34 Prozent im Jahr 1986 auf 42 Prozent 2003, für 2010 und 2020 erwartet der Freizeitforscher Werte von 45 und 50 Prozent. Und auch dafür hat Opaschowski wieder einen großen Satz: "Die junge Generation startet durch", sagt er.