BANKEN Zum eigenen Vorteil
Die schweizerische Großbank UBS hat einen recht eigenwilligen Stil, unzufriedene Kunden abzuwimmeln. Diese Erfahrung jedenfalls machte Wolfgang Gößmann, der Chefjustitiar der HSH Nordbank.
Seit Oktober versuchte der Jurist, mit David Aufhauser, seinem Counterpart bei dem größten Vermögensverwalter der Welt, einen Termin zu vereinbaren. Schließlich hatte das Institut für die Hanseaten ein Portfolio von einer halben Milliarde Dollar an verbrieften Kreditforderungen gemanagt - und dabei Hunderte Millionen Dollar Verlust eingefahren.
Aufhauser, so stellt es Gößmann dar, hat ihn einfach hingehalten, Termine erst zu-, dann kurzfristig immer wieder abgesagt. Am 17. und am 19. Dezember sei er verhindert, schrieb Aufhauser schließlich in einer E-Mail, weil er mit seiner Frau am darauffolgenden Wochenende Gastgeber eines Adventssingens sei, das umfangreicher Vorbereitungen bedürfe.
»So eine Frechheit«, schimpft Gößmann noch heute, »habe ich noch nie erlebt.« Die UBS habe in der Finanzkrise 16 Milliarden Euro abgeschrieben. »Denen kommt es auf eine halbe Milliarde mehr oder weniger vielleicht nicht an«, erregt sich der Banker, »aber für uns ist das viel Geld.«
Gößmann ließ die Sache nicht auf sich beruhen. Stolz klopft er mit der Faust auf einen roten Ordner. Darin befindet sich die fertige Klageschrift der HSH Nordbank gegen die UBS, die er - in Abstimmung mit Vorstandschef Hans Berger - bis Ende des Monats bei einem New Yorker Zivilgericht einreichen wird.
Das fragliche Engagement stammt aus dem Jahr 2002. Damals wollte die Kieler Landesbank, die 2003 mit der Hamburgischen Landesbank zur HSH Nordbank fusionierte, eine halbe Milliarde Dollar in eine konservative Anlage stecken. Nach intensiven Gesprächen mit mehreren institutionellen Vermögensverwaltern entschied sie sich für das von der UBS aufgelegte Investment-Vehikel »North Street 2002/-4«.
Darin waren US-Hypothekenkredite, aber auch Firmendarlehen und andere Forderungen gebündelt. Das Institut investierte 500 Millionen Dollar. Für die Forderungen übernahm sie das Ausfallrisiko und erhielt im Gegenzug eine Prämie.
Eine ganze Weile ging das Geschäft gut. Bis die Banker merkten, dass die Manager der UBS immer wieder Kredite aus dem Portfolio herausnahmen und gegen andere eintauschten. Formal blieb die Qualität der Anlage gleich, »doch jeder wusste, auch damals, dass die Ratings der Agenturen nicht verlässlich waren«, sagt Gößmann.
Seit vergangenem Sommer wollten die HSH-Banker von ihren Vermögensverwaltern wissen, wie sich die Transaktionen auf den Wert des Portfolios ausgewirkt haben. Eine Antwort erhielten sie nie. »Heute ist uns klar«, so Gößmann, »dass unsere Anlage immer weniger wert wurde.«
Zudem stellten die Hanseaten fest, dass die UBS schon am ersten Tag des Investments einen hohen Buchgewinn verzeichnet habe. Dies deute darauf hin, dass die Großbank dem kleinen Institut einen überhöhten Preis abverlangt habe.
Alles in allem wirft die HSH der UBS vor,
* ihr trotz der ausdrücklichen Anweisung keine konservative Geldanlage verkauft zu haben;
* bei der Verwaltung der Anlage auf ihren eigenen Vorteil geachtet - und nicht die Interessen ihres Kunden gewahrt zu haben;
* sich ungerechtfertigt bereichert zu haben.
Die UBS wollte sich am vorigen Freitag zu den Vorwürfen nicht äußern. Sollten die Anschuldigungen jedoch zutreffen, hätte die Bank ein Problem. Denn all dies ist auch in den USA nicht erlaubt. Die HSH hätte dann gute Chancen, vor Gericht durchzusetzen, dass die UBS ihr den entstandenen Schaden ersetzt. WOLFGANG REUTER