Zuschlag: Günter Netzer kauft Kirchs Sportrechte - DER SPIEGEL
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Zuschlag Günter Netzer kauft Kirchs Sportrechte

Günter Netzer, Manager, ARD-Kommentator und Ex-Nationalspieler, hat sich zum Paten der deutschen Fußball-Szene aufgeschwungen. Zusammen mit Partnern übernimmt er die Rechte an der Fußball-Bundesliga und der nächsten WM von seinem früheren Boss, Leo Kirch - ein nicht ganz unproblematisches Geschäft.
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München/Zug - Der Gläubiger-Ausschuss der KirchMedia habe für den Verkauf an das Management um Netzer gestimmt, teilten Insolvenzverwaltung und Geschäftsführung am Donnerstag in München mit. Der Kaufpreis liege im dreistelligen Millionen-Bereich, sagte KirchMedia-Geschäftsführer Hans-Joachim Ziems. Unbestätigten früheren Presseberichten zufolge soll die Gruppe um Netzer 300 Millionen Euro geboten haben.

Netzer leitet die Schweizer KirchMedia-Tochter KirchSport AG, bei der die Sportrechte offiziell liegen. Sie war rechtzeitig vor der Insolvenz der KirchMedia ausgegründet worden und ist im Gegensatz zu ihrer Muttergesellschaft nicht zahlungsunfähig. Netzer wird finanziell von dem französischen Großinvestor und früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus unterstützt.

Schattenmänner und Kirchgänger

Als zweiter ernsthafter Interessent an den Sportrechten war eine Gruppe namens Invision an den Start gegangen, hinter der sich angeblich Leo Kirch und sein Vize Dieter Hahn selbst verborgen haben sollen. Offiziell war dies von der Invison-Geschäftsführung stets dementiert worden. Invision hat anscheinend nur ein unzureichendes Angebot vorgelegt. Auch Sportfive, die gemeinsame Sportagentur von RTL und Canal Plus, hatte zuletzt Interesse an der Sportrechte-Sparte bekundet, kam damit aber offenkundig zu spät.

Wenn Netzer und Partner tatsächlich 300 Millionen bezahlt haben, könnten sie ein Schnäppchen gemacht haben. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger ist die KirchSport fast 600 Millionen Euro wert. Netzer hatte indes betont, der tatsächliche Wert liege niedriger - viele der bilanzierten Werte seien übertrieben.

Kommentiert Netzer Netzers Spiele?

Der unübersichtlich wirkende, jetzt beschlossene Deal erinnert an die alten Tage des Medienmoguls Kirch, der für schwer begreifliche, intransparente Geschäfte bekannt war. Dass Kirchs Ex-Angestellter Netzer im Rahmen eines "Management Buy-Outs" für die Rechte geboten hatte, die bei seinem eigenen Arbeitgeber lagen, hatte viele Beobachter überrascht.

Erstaunlich ist auch, dass Netzer offenbar gegen Kirch selbst antrat - jenen Mann, der ihn noch vor kurzem als Chef der KirchSport eingesetzt hatte. Ähnlich mysteriös: Invision, angeblich Kirchs Vehikel für den Bieter-Streit, soll früher zur Holding des Metro-Gründers Otto Beisheim gehört haben, der schon früherere Kirch-Geschäfte unterstützt haben soll.

Erstaunliche Doppelrolle

Nach dem Kauf dürfte eine Debatte über mögliche Interessenkonflikte Netzers beginnen. Der ARD-Kommentator ist zugleich Aufsichtsratsmitglied des WM-Organisationskomitees 2006. Weder die ARD noch Weltfußballverband FIFA hatten Netzers Gebot für die Rechte im Vorfeld kommentieren wollen. Ob er seine "eigenen" Spiele kommentieren wird - das immerhin ist noch unsicher. Sein Kommentatoren-Vertrag bei der ARD läuft 2004 aus.

Der Direktor der Deutschen Fußball-Liga (DFL) begrüßte den Verkauf an Netzer: "Wir haben jetzt weitergehende Sicherheiten und befinden uns im ruhigen Fahrwasser". An der Fußball- und Management-Kompetenz des 58-jährigen Wahlschweizers, der nach seiner Zeit als Fußballer zunächst Stadionwerbung vermarktete, bestehen wenig ernsthafte Zweifel.

Chance für die ARD

Bisher sieht es so aus, als würden wie bei der vorigen WM auch im Jahr 2006 24 Meisterschaftsspiele bei ARD und ZDF ausgestrahlt, der Rest beim Bezahl-TV-Sender Premiere - einer weiteren Kirch-Tochter. Möglich ist, dass die ARD von dem Zuschlag für Netzer profitiert und bessere Bedingungen für die WM-Ausstrahlung 2006 aushandeln kann.

Die Entscheidung über den Verkauf der restlichen Teile der KirchMedia solle am 30. Oktober fallen, hieß es nach der Sitzung des Gläubigerausschusses weiter. Im Rennen um die verbliebenen Teile, also den Filmrechtehandel und den TV-Konzern ProSiebenSAT.1, seien noch drei Konsortien. Dies ist zum einen die Gruppierung der Altgesellschafter mit der US-Bank Lehmann Brothers, dem saudischen Prinzen Al Walid und dem Handelskonzern Rewe, zu dem sich jetzt auch die Commerzbank gesellt hat.

"Jeder spricht mit jedem"

Daneben sind derzeit auch noch der Hamburger Bauer-Verlag mit der HypoVereinsbank sowie der französische Fernsehsender TF1 und der US-Milliardär Haim Saban im Rennen.

Die Commerzbank hatte ihre bisherige Partnerschaft mit dem Hollywood-Studio Columbia Pictures kurz vor der Sitzung des Gläubigerausschusses aufgekündigt und sich auf die Seite der Altgesellschafter um Lehman geschlagen. Das bisherige Zweierkonsortium sei beim Bieterstreit nicht mehr konkurrenzfähig gewesen, sagte ein Commerzbank-Sprecher zur Begründung. Columbia Pictures, Teil des Sony-Konzerns, steht nun offenbar ohne Partner da und scheint aus dem Rennen zu sein.

Bereits in den vergangenen Wochen hatte es aber immer wieder Bewegung in den Bündnissen gegeben. "Jeder spricht mit jedem", hieß es in Verhandlungskreisen. So wird zum Beispiel für möglich gehalten, dass sich Columbia nun dem Bauer-Verlag anschließt.