Zustelldienst: UPS verbietet Homo-Paketboten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Zustelldienst UPS verbietet Homo-Paketboten

Er war der Renner auf dem Markt für schwules Spielzeug: ein strammer Plastik-Paketbote im UPS-Outfit. United Parcel Service versuchte zunächst vergeblich, den Verkauf der Puppe zu unterbinden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

San Francisco - Billy Boy ist ein echtes Sahneschnittchen: muskulöser Körper, knackiger Hintern, blonde Haare und stahlblaue Augen. Er läuft gerne in Leder oder Uniform herum. Außerdem ist er abwaschbar und aus robustem Plastik.

Billy ist eine schwule Version der Barbiepuppe und wird seit etwa fünf Jahren von der in London ansässigen Firma Totem International vermarktet. Ähnlich wie sein weiblicher Gegenpart kommt Billy in unterschiedlichen Outfits daher: mal als Ledermaid, mal als Seemann oder auch als Catcher im hautengen Lycra-Anzug. Billy hat außerdem zwei kerlige Kumpels: Carlos, den feurigen Latin Lover, und Tyson, den schwarzen Muskelmacho. Ein - nicht gerade kleiner - Unterschied zu Barbie: Billy Boy ist, wie es die Internetseite des schwulen Online-Shops BeProud.com formuliert, "anatomisch korrekt" ausgestattet.

Lieferung am Hintereingang

Das Trio hat jetzt Ärger mit dem Paketdienst United Parcel Service (UPS). Stein des Anstoßes ist das neueste Outfit von Billy Boy: Die Muskelpuppe trägt ein enges braunes Kurzarm-Hemd mit gelbem "BPS"-Logo (Billy's Parcel Service) und braune Shorts, die nach Angaben von BeProud.com Billys "muskulöse Beine zur Geltung bringen". Die BPS-Version wird inklusive eines maßstabsgetreuen Pakets geliefert. Kostenpunkt: 49,95 Dollar. "Geht sicher, dass ihr auf Lieferung am Hintereingang besteht, wenn Billy Schicht hat", rät BeProud.com.

UPS fand das Ganze nicht sonderlich komisch. Wie jetzt bekannt wurde, forderte der Paketdienst Billys Schöpfer Totem International bereits im Spätherbst auf, die Produktion der BPS-Puppe einzustellen. UPS-Sprecher Norman Black sagte, Totem habe dem zugestimmt.

Black zufolge stört sich UPS weder an Billy Boys sexueller Orientierung noch an seinen stattlichen anatomischen Maßen. "Uns ist es gleichgültig, ob ein örtlicher Kurierdienst unsere Uniform trägt oder eine Puppe", so der UPS-Sprecher. "Benutzt jemand unseren Markennamen und unserer Logo ohne Genehmigung? Nur darum geht es uns."

Trotz Verbots: Billy Boy ist nicht zu fangen. Einige Geschäfte, darunter BeProud.com, verkauften den schwulen Paketboten weiterhin. Erst gestern ging bei BeProud.com der letzte BPS-Billy über die Theke.

Von Thomas Hillenbrand