Adleraugen für alle - DER SPIEGEL
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MEDIZIN Adleraugen für alle

• aus DER SPIEGEL 26/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Selbst der normalsichtige Mensch sieht nur halb so scharf, wie er könnte. Das behaupten Forscher an der Universität von Rochester im US-Bundesstaat New York. Sie haben einen Apparat entwickelt, der den übermenschlichen Blick verheißt. Wer sein Augenlicht damit verbessern lässt, könnte die Beine einer Fliege an der Stubendecke zählen und auf 100 Meter jedes Autokennzeichen lesen. Die Technik entstammt der Astronomie: Moderne Teleskope schärfen die Bilder, die sie empfangen, indem sie mit beweglichen Spiegeln die Ablenkungen des eintreffenden Lichts ausgleichen, die von der Unruhe innerhalb der Atmosphäre verursacht werden. Der Spiegel des Keck-Teleskops auf Hawaii besteht zum Beispiel aus 36 Teilen, die ein Computer stets genau justiert. Das menschliche Auge, so die Forscher, lässt sich auf ähnliche Weise korrigieren. Normalerweise wird der Blick getrübt durch winzige Unregelmäßigkeiten in Hornhaut und Linse, die bislang nicht feststellbar waren. Die Forscher tasten deshalb das Auge mit einem Laser ab und zerlegen das reflektierte Licht in 217 Strahlen, die von einer Digitalkamera aufgefangen werden. Der Computer errechnet daraus eine dreidimensionale Karte der Augenoberfläche, die jede Abweichung von der idealen Optik zeigt. Mit diesen Daten steuert der Rechner einen vielfach verformbaren Spiegel an, der die gemessenen Defekte präzise ausgleicht. Versuchspersonen, die durch diesen Wunderspiegel in die Welt blickten, berichteten von unverhoffter Sehschärfe. Vor allem die Wahrnehmung von Kontrasten in der Dämmerung sei erheblich verbessert. Die Optikfirma Bausch & Lomb will die Technik jetzt zur Anwendungsreife bringen. Denkbar sind, neben angepassten Kontaktlinsen, auch dauerhafte Korrekturen der Hornhaut mit einem Laser.

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