Anfixen mit Menthol - DER SPIEGEL
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TABAKINDUSTRIE Anfixen mit Menthol

• aus DER SPIEGEL 31/2008
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Zigarettenhersteller können es offenbar nicht lassen. Nach Erkenntnissen von Forschern der Harvard School of Public Health in Boston hat die Industrie in den vergangenen zehn Jahren verstärkt Glimmstengel mit niedrig dosierten Mentholbeimischungen entwickelt, um damit vor allem Jugendliche und junge Erwachsene ans Rauchen zu gewöhnen. Denn ein leichter Mentholanteil maskiert bei Neueinsteigern häufig die harte und mit leichten Schwindelgefühlen einhergehende Wirkung des Nikotins. Nach der Auswertung von internen Firmendokumenten kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die Tabakindustrie nicht zufällig den Mentholgehalt manipuliert habe. Vielmehr sei das Drehen an der Additivschraube Teil einer gezielten Strategie gewesen. Jüngste Zahlen in den USA belegen, dass diese Bemühungen gefruchtet haben. Danach waren 2006, im letzten erfassten Jahr, Zigaretten mit Mentholbeimischungen bei jungen Rauchern zwischen 12 und 24 Jahren deutlich beliebter als bei Rauchern über 35. »Das ist ein weiteres Beispiel für das zynische Verhalten, mit dem die Tabakindustrie Teenager an den Haken einer tödlichen Sucht nimmt«, schimpft Gregory Connolly, Mitverfasser der kritischen Studie. »Und das, nachdem sie der Öffentlichkeit erklärt hat, dass sie ihre Marketingmethoden ändern werde.«

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