Arme Ritter - DER SPIEGEL
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MITTELALTER Arme Ritter

• aus DER SPIEGEL 42/2000
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Im oberschwäbischen Kanzach ist jetzt der erste Nachbau einer typischen Ritterburg des Mittelalters zu besichtigen - ein hölzerner Turm. Nur die wenigsten Rittersleute hausten in steinernen, zinnenbewehrten Trutzbauten. Solche Residenzen konnte sich der niedere Adel gar nicht leisten. Es reichte allenfalls für Wohntürme aus Brettern und Bohlen, emporgezimmert auf aufgeschütteten Erdhaufen - Hauptsache hoch. Bis ins 13. Jahrhundert hinein wimmelte es fast überall in Europa von solchen Holzburgen, auch »Motten« genannt. Kaum ein Dorf, in dem nicht der lokale Machthaber seine Geltung durch die Traufhöhe ausdrückte. Der Kanzacher Nachbau wurde unter der Leitung des Archäologen Karl Banghard errichtet. Der Turm aus Eiche, dessen Vorbild aus der Zeit um 1300 stammt, ist mehr als 15 Meter hoch. Als nächstes soll der Bau originalgetreu möbliert werden mit schlichten Sitztruhen, gedrechselten Betten und einem Becherkachelofen. Die Eröffnung ist für das kommende Frühjahr geplant. Von den Holzburgen wusste die Forschung lange Zeit nur wenig, weil sie kaum Spuren und schon gar keine malerischen Ruinen hinterlassen haben. Spätestens im 14. Jahrhundert musste der Ritter, der auf sich hielt, eine Burg aus Stein haben. Die Verbreitung des Schießpulvers ließ dann die letzten Holzburgherren verzagen. Als die Stadt Köln im Jahr 1460 die hölzerne Burg im benachbarten Sieglar mit ihrem neuen Geschütz unter Feuer nahm, krachte schon beim zweiten Schuss der ganze Wehrbau in sich zusammen.

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