ARCHITEKTUR Asche im Mauerwerk
Über das Aussehen der Hagia Sophia in Istanbul, eines monströsen Kirchenbaus, der heute ein Museum ist, kann man durchaus geteilter Meinung sein. Wahrhaft wunderbar dagegen wirkte bislang, dass das fast 15 Jahrhunderte alte Bauwerk überhaupt noch steht, während viele benachbarte Häuser aus der Zeit der Fertigstellung im Jahr 537 längst dem Erdboden gleich- gemacht worden sind, oftmals durch Erdbeben. Seine erstaunliche Widerstandsfähigkeit scheint das Riesenbauwerk jedoch nicht der besonderen Festigkeit seiner Mauern zu verdanken, sondern vielmehr deren Weichheit. Das behauptet eine Forschergruppe um Antonia Moropoulou von der Technischen Universität in Athen, welche den Zement mit Hilfe eines Elektronenmikroskops analysiert hat: Durch die Beimischung von vulkanischer Asche oder ähnlichen Substanzen weise das Material Eigenschaften fast wie Portland-Zement auf und sei in der Lage, Erdstöße weich abzufedern. »Von der Haltbarkeit dieses Gebäudes können wir eine Menge lernen«, sagt Moropoulou, die darauf hofft, dass notwendige Renovierungsarbeiten in Zukunft gemäß dem Originalrezept durchgeführt werden können.