ATOMRUINE
Rund 900 Millionen Mark hatte der Münchner Siemens-Konzern schon in die Baustelle gesteckt. In dem neuen Hanauer Atomwerk sollten aus Plutonium, das aus abgebrannten Kernbrennstäben herausgelöst wird, neue sogenannte Mischoxid-(MOX)-Brennelemente gefertigt werden. Ende September 1993 kündigte die Stromindustrie jedoch plötzlich ihren Rückzug aus der Plutoniumfeste an - Querelen mit der hessischen Landesregierung und widrige Gerichtsurteile hatten der Atomlobby den teuren Bau vergällt. Mit dem spektakulären Ausstieg der Stromherren wird die Hanauer Plutoniumfabrik zu einer weiteren Atomruine in der Bundesrepublik. Zugleich geriet der für den Betrieb eines jeden Kraftwerks zu erbringende sogenannte Entsorgungsnachweis für die Atomabfälle ins Wanken. Zwar will Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) im neuen Jahr den entsprechenden Gesetzespassus entschärfen. Aber neue Probleme sind schon abzusehen: Bisher gibt es nirgendwo ein funktionierendes Endlager für den hochradioaktiven Müll.