TIERE Aufstieg durch Scheidung
Unter den meist monogam lebenden Austernfischern lohnt sich die Scheidung für denjenigen Partner, der den anderen sitzen lässt. Die abtrünnige bessere Hälfte - in der Regel das Weibchen - genießt nach der Trennung einen sozialen Aufstieg, findet einen Nistplatz direkt am futterreichen Watt und zeugt bis zu 20 Prozent mehr Nachkommen. Dies fanden Vogelkundler der Universitäten Groningen und Bern heraus. Acht Jahre lang saßen der Ornithologe Dik Heg und seine Kollegen in einem versteckten Unterstand auf der niederländischen Insel Schiermonnikoog und studierten die Beziehungswelt der Watvögel. Die trennungswilligen Weibchen, so die Beobachtung der Forscher, stoßen ihre Partner meist erst ab, wenn es zu kriseln beginnt und die Nachkommenschaft abnimmt. Dies bestätigt Vermutungen, wonach Vögel aus einer alten Paarung flüchten, um ihre Fortpflanzungsrate zu steigern. »Die Vögel verlassen ein sinkendes Schiff«, sagt Heg. Für die Scheidungsopfer geht es fortan bergab: Sie erwischen nur noch die billigen Nistplätze weitab vom Futterplatz. Während sie zum Fressen fliegen, ist ihr Nachwuchs Plünderern überlassen. Und oft finden sie auch keinen neuen treuen Partner mehr.