BIOLOGIE Auge des Meeres
Tiefseeforschung per Tauchboot ähnelt manchmal dem Versuch, Fledermäuse mit dem Hubschrauber zu studieren: Lautes Getöse und grelle Scheinwerfer schlagen oft auch noch die letzte Kreatur in die Flucht. Um die Meeresgeschöpfe in der ewigen Finsternis unbemerkt beobachten zu können, haben Forscher der Harbor Branch Oceanographic Institution in Florida nun eine automatische Tiefseekamera entwickelt. Das »Eye in the Sea« getaufte Gerät wird auf den Grund abgesenkt. Sich nähernde Meeresbewohner erkennt die Kamera an deren so genannter Biolumineszenz - der Fähigkeit von Organismen, Licht zu produzieren und in bestimmten Mustern abzustrahlen. Kommt ein Tier angeschwommen, wird die Szenerie mit Rotlicht aufgehellt, das für die Tiefseetiere unsichtbar ist. So können sie gefilmt werden. »Wir hoffen, natürliche Verhaltensweisen aufzuzeichnen, die noch niemand zuvor beobachten konnte«, sagt die Meeresbiologin Edith Widder. Vor allem Tiefseequallen will die Forscherin vor die Kamera bekommen. Sie plant, die filigranen Lebewesen mit einem speziellen Lichtköder aus Leuchtdioden anzulocken, der die Biolumineszenz der Tiere nachahmt. Vor der Küste Kaliforniens wird die Kamera derzeit in 700 Meter Wassertiefe erprobt.