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LUFTFAHRT Bad inklusive

Mit luxuriös ausgestatteten Jets buhlen amerikanische Airlines um verwöhnte Kundschaft - der Andrang läßt zu wünschen übrig. *
• aus DER SPIEGEL 8/1987
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Voller Stolz führte der Chef den Ehrengästen die neue Flotte vor. Am Rumpf der vier vornehm dunkelblau lackierten Flugzeuge vom Typ Boeing 727 prangte in goldenen Lettern sein Familienname: »McClain«. Gediegen wie der äußere Anstrich war auch die Inneneinrichtung der Jets. Wo sich sonst bei diesem Maschinentyp rund 130 Passagiere auf engen Sitzen gegenseitig bedrängen, waren in den Luxuslinern nur 74 bequeme Sessel installiert alle mit Leder oder schwerem Samt überzogen und mit Telephonen in den breiten Armlehnen.

Den Fluggästen seiner neuen Gesellschaft, erklärte Thomas McClain, 49, Luftfahrtunternehmer aus Phoenix im US-Bundesstaat Arizona, solle ein Service geboten werden, wie sie ihn noch nie erlebt hätten: Hors d'oeuvre und Getränke schon vor dem Start, in der Luft ein siebengängiges Menü ("nicht einfach aufgewärmt, sondern jeweils frisch in der Bordküche zubereitet und auf feinem Porzellan serviert") und viel Platz für Füße, Gepäck und Garderobe ("nie wieder ein zerknautschtes Jackett").

Auch am Teppich wurde nicht gespart; McClain orderte Auslegeware im Perser-Stil.

Trotz allem Komfort und Luxus, versprach der Airliner, müßten die Passagiere nicht mehr bezahlen als den Normaltarif der Konkurrenz, beispielsweise 450 Dollar für die Verbindung von Los Angeles nach Chicago. Mit diesem Konzept, so McClain optimistisch, »werden wir ungeheuer viel Geld verdienen«.

Zum Normaltarif fliegen in den USA jedoch nur noch wenige Uneingeweihte. Seit Jahren tobt ein Preiskrieg zwischen den Airlines, und längst halten die meisten Firmen ihre Mitarbeiter an, beim Buchen auf Sonderkonditionen zu achten. Zudem ziehen es viele Spesenflieger vor, stets mit derselben Gesellschaft zu reisen, weil die Luftfahrtunternehmen solche Treue mit Freiflügen oder Verbilligungen für den Ehepartner belohnen.

Den Trend zum Sparen und den Reiz von Sonderangeboten hatte McClain offenbar unterschätzt. In den ersten drei Monaten nach dem Start der Airline im November letzten Jahres, hat er nicht verdient, sondern ausschließlich verloren. Nur mit Mühe schrammte die Gesellschaft vorerst an einer totalen Brachlandung vorbei. Drei der vier Jets parkten letzte Woche ungenutzt auf den Flughäfen von Phoenix und Los Angeles, an die Kette gelegt von Gläubigern, die um ihr Geld fürchteten. Die vierte Maschine flog derweil fast leer. Am 4. Februar stiegen gerade noch sieben zahlende Passagiere zu.

Weder groß angelegte Werbekampagnen noch die Ankündigung, allen Kunden, die innerhalb von 24 Monaten mindestens 125000 Meilen an Bord der McClain-Jets zurücklegten, ein Jahr lang kostenlos einen BMW 325e zur Verfügung zu stellen, konnte den Sturzflug stoppen. Die Investoren bangen um ihre Einlagen, rund 50 Millionen Dollar hat McClain bislang in das Unternehmen gesteckt.

Der Mann aus Arizona ist nicht der erste, der auf das Luftgeschäft mit dem Luxus setzt. Doch bislang endeten die meisten Versuche im Desaster: *___"United Airlines«, zweitgrößte Flug gesellschaft in den ____USA, scheiterte schon in den sechziger Jahren mit dem ____Experiment, betuchte Passagie re in umgebauten Jets ____zwischen Chi cago und New York zu transportie ren; *___"Air One« geriet im Oktober 1984, nur 18 Monate ____nach dem Start,- in Turbulenzen. Beim Bankrott mußten ____die Gläubiger 40 Millionen Dollar abschreiben; *___"Regent Air«, zu deren Bordperso nal Friseur, Maniküre ____und Kranken schwester gehörten und die für müde (oder ____besonders muntere) Fluggäste Schlafkabinen mit ____Doppelbett bereit hielt, blieb nur gut zwei Jahre in ____der Luft. Im Februar 1986 mußte sie Konkurs ; *___"Midway Airlines« verloren 44 Millionen Dollar beim ____vergeblichen Versuch, sich in der fliegenden Up per ____Class zu etablieren. Seit die Ge sellschaft das ____Abenteuer abbrach und verstärkt Billigtickets offeriert ____macht sie wieder Gewinne.

Aber trotz aller Pleiten wollen viele Airline-Manager ihren Traum vom Höhenflug nicht aufgeben. Schon macht sich in den USA eine weitere Gesellschaft startbereit. Kirk Kerkorian, laut »Forbes Magazine« einer der 75 reichsten Amerikaner, will von April an mit der neuen »MGM Grand Air« beweisen, daß alle seine Vorgänger nur Dilettanten waren.

Kerkorian, dessen Vermögen auf rund 600 Millionen Dollar geschätzt wird, kaufte drei Boeing 727 aus der Konkursmasse der gestrandeten Regent Air. Die mit nur 33 Sitzplätzen (statt 130), einer Art-deco-Bar und luxuriösen Badezimmern ausgerüsteten Maschinen sollen zunächst zwischen Los Angeles und New York verkehren - zu Tarifen, die kaum über den First-class-Raten der anderen Fluggesellschaften liegen.

Konkurrent McClain sucht derweil nach weiteren Dollar-Millionen, um seine angeschlagene Luftlinie doch noch vor dem endgültigen Sturzflug zu retten. Aber die potentiellen Investoren schrecken zurück. Sie scheuen sich, Gelder in eine Gesellschaft zu stecken, deren Firmensymbol, ein goldener Phönix, unter Airlinern bereits als Pleitegeier verschrieen ist. Bis Ende letzter Woche fehlte McClain jedenfalls das Kapital um die drei gepfändeten Flugzeuge - zumindest vorläufig - wieder loseisen zu können.

Branchenexperten sind ohnehin skeptisch. »Allenfalls luxuriöse Charterflüge« ließen sich zu Höchstpreisen vermarkten, vermutet Lufthansa-Sprecher Gerd Leidinger. Tatsächlich sind teure Sonderprogramme meist problemlos abzusetzen. So offeriert American Express derzeit auch in der Bundesrepublik eine 38000 Mark teure Weltreise mit dem Überschalljet Concorde, und Geschäftsleute wie der amerikanische Pizza-König Willy Theisen mieten zuweilen gleich die ganze Maschine. Theisen zahlte der British Airways 250000 Dollar für den Concorde-Transport von London nach Omaha, Nebraska, seiner Heimatstadt.

Selbst in der klassenlosen Gesellschaft wird gelegentlich Luxus der Lüfte propagiert, wenn damit Devisen eingeflogen werden können. Die DDR-Airline Interflug (Slogan: »Fluglinie der Freundschaft") offeriert reichen Westlern ein modernes Salonflugzeug«. Bis zu sechs Gäste sollen sich etwa zwischen Ost-Berlin und Dresden in der zweimotorigen tschechischen Turboprop-Maschine (Typ: L 410 UVP) »einer bequemen und geschmackvollen Atmosphäre« hingeben dürfen und dabei reichlich mit »erlesenen Gaumenfreuden« bedient werden.

Auf Wunsch werden die Interflug-Gäste sogar in West-Berlin abgeholt - mit einer großen Volvo-Limousine, wie sie in der DDR sonst nur hohen SED-Funktionären zusteht.

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