TIERE Bisonherde mit Kuh-Genen
Eine DNS-Analyse könnte das Todesurteil für eine Bisonherde im Grand-Canyon-Nationalpark bedeuten. Mehr als 90 Prozent der bislang als Wildtiere eingestuften Rindviecher, so fand der Molekulargenetiker James Derr von der Texas A&M University heraus, sind gar keine reinrassigen Bisons, sondern tragen ordinäre Kuh-Gene in sich. Für die Leitung des Nationalparks ist dieser Befund ein willkommener Grund, die bulligen Wiederkäuer auf die Abschussliste zu setzen: Die wegen einer anhaltenden Dürre in den Nationalpark eingewanderten Tiere würden seltene Gräser zertrampeln sowie Schlammlöcher und Staubkuhlen hinterlassen. Die Aufgabe der Wildhüter sei aber der Erhalt der ursprünglichen Artenvielfalt, nicht die Pflege umherstreifender Nutztiere. Die marodierende Herde ist offenbar das Überbleibsel eines fast hundert Jahre alten Experiments: Ein Züchter namens Charles Jesse »Buffalo« Jones hatte einst Bisons mit Hausrindern gekreuzt. Die ersten Ergebnisse entsprachen leider nicht den Vorstellungen seiner Finanziers - die männlichen Kälber verursachten durch ihren charakteristischen Buckel bei der Geburt oft den Tod des Muttertiers und waren selbst auch noch unfruchtbar. Die weiblichen »Cattalos«, wie Jones seine Züchtung nannte, konnten allerdings von Bisonstieren befruchtet werden - so wurde die Hausrind-DNS von Generation zu Generation weitergegeben.