Bizarre Tat - DER SPIEGEL
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Computer Bizarre Tat

Ein Hacker brachte in einem britischen Krankenhaus Patienten in Gefahr.
• aus DER SPIEGEL 9/1994
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Dominic Rymer, 25, ist besessen von Computern. Um ein Haar hätte sein fataler Hang zum Hacken einen Neunjährigen das Leben gekostet.

Das Kind lag mit Hirnhautentzündung (Meningitis) im »Arrowe Park Hospital« auf der Halbinsel Wirral bei Liverpool. Computerfan Rymer, der als Pfleger in dem Krankenhaus beschäftigt war, schaute einem Arzt am PC über die Schulter und erspähte auf diese Weise das Paßwort, das den Zugang zum Rechnernetz der Klinik sichern sollte.

Mit dem Paßwort verschaffte sich der Hacker anschließend Zugriff auf das Krankenhaus-Informationssystem. Von einem unbewachten Terminal aus veränderte er sodann die Programmdaten, mit denen die Medikamentenausgabe auf den einzelnen Stationen gesteuert wird. Er habe mal sehen wollen, erzählte Rymer später, »was sich mit dem Rechner anrichten läßt«.

Dem neunjährigen Meningitispatienten verschrieb der Computer-Einbrecher einen mörderischen Cocktail. Das von ihm manipulierte Stationsrezept sah die Eingabe von Atenolol, Temazepam, Bendroflumethiazid und Coproxamol vor, alles Medikamente, die nur an Erwachsene verabreicht werden dürfen und für das Kind eine hochgiftige Mixtur bedeutet hätten.

Rymer, der sich vor Gericht schuldig bekannte, wurde wegen Datensabotage am Krankenhausrechner zu einer zwölfmonatigen Haftstrafe verurteilt. Rymers einziges Bestreben, befand der britische Richter William Wickham, sei es gewesen, »die Maschine zu beherrschen«.

Das kranke Kind war dem Anschlag über Datenleitung nur knapp entgangen, weil eine aufmerksame Stationsschwester die manipulierte Computerliste noch einmal überprüfte.

Im nachhinein, erklärte sein Verteidiger Donal MacGuire, könne Rymer sich die »unglaubliche und bizarre Tat« selbst nicht erklären. Dabei hatte der Pfleger und Datensaboteur noch mehr auf dem Kerbholz.

Einer Geriatriepatientin verschrieb er Antibiotika (die Dosis blieb ohne schädliche Folgen), einen anderen Patienten überwies er per Tastendruck zum Röntgen, einem dritten schrieb er eine Entlassungsempfehlung ins PC-Krankenblatt.

Vor Gericht beteuerte der Hacker, er habe ohne böse Absicht gehandelt. Sein Verteidiger argumentierte, seit einem Autounfall vor neun Jahren leide sein Mandant an einer »schwerwiegenden Persönlichkeitsveränderung«.

»Gezielt und böswillig« sei der Hospital-Hacker zu Werke gegangen, fand hingegen Kronrichter William Wickham. In seinem Urteil stützte er sich auf ein Gutachten eines Universitätspsychologen aus Liverpool, der Rymer die »übliche Rücksichtslosigkeit« von Computerhackern attestiert hatte.

Frank Burns, Chef des Krankenhauses »Arrowe Park«, hat inzwischen die Zugangsprozeduren zum Computer verändert und wiegt sich deshalb wieder in Sicherheit.

Obwohl Rymer demonstriert hatte, wie leicht sich Paßwörter und Kennummern ausspähen lassen, zeigt sich Burns »zuversichtlich, daß wir eine Wiederholung des Systemmißbrauchs ausgeschlossen haben«. Y

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