Blühende Matten - DER SPIEGEL
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Ölpest Blühende Matten

Mit einem Heer von Mikroben wollen kuweitische Wissenschaftler Folgen des Golfkriegs beseitigen.
• aus DER SPIEGEL 12/1995
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Rund 25 Millionen Barrel Öl sind aus den 659 Ölquellen entwichen, als Saddam Husseins Soldaten sie im Februar 1991 in Brand setzten. Bis auf einen halben Meter Tiefe hat damals die schwarzbraune Brühe den Wüstenboden durchtränkt.

Seither wurden mehrere Pilotprojekte angeschoben, um die geschundene Landschaft zu rekultivieren. Versuche, den Sand zu waschen oder ihn mit organischen Abfällen zu kompostieren, verliefen teilweise erfolgreich. Doch all diese Verfahren erwiesen sich als zeitraubend, umständlich und kostspielig.

Einfach und elegant hingegen ist die Methode, die dem Biologen Naser Sorkhoh von der Kuwait University vorschwebt. Er will Kuweits ölverseuchte Wüstenregionen mit einem Cocktail ölfressender Mikroorganismen benetzen.

Hauptwirkstoff dieser Lösung wäre eine besonders befähigte Mikrobe aus der Gruppe der Cyanobakterien. Sie wurde in den blaugrünen Matten gefunden, die sich auf einem anderen Relikt des Golfkriegs angesiedelt hatten.

Eine halbe Million Tonnen Öl hatten irakische Soldaten im Januar 1991 aus kuweitischen Vorratstanks in den Persischen Golf strömen lassen. Vor allem an den Küsten Saudi-Arabiens war die angeschwemmte Ölbrühe zu steinharten Platten getrocknet.

Mit überschwappendem Salzwasser gelangten die Cyanobakterien aus dem Meer auf die schwarzen Placken. Sie gediehen dort prächtig zu einer schmierigen Schicht und bildeten ihrerseits den geeigneten Lebensraum für Bakterien, die sich von Öl ernähren. Ein langsamer Abbauprozeß wurde in Gang gesetzt.

Nach dieser Entdeckung sammelten Sorkhoh und seine Mitarbeiter einige der blühenden, grünschillernden Matten ein, säuberten sie im Labor von Ölresten und vermischten die Pampe mit Salzwasser. Die Lösung wurde sodann versuchsweise auf ölverseuchten Wüstensand ausgebracht. Ergebnis: Auch in den öldurchsetzten Sandproben vermehrten sich die Mikroben rapide.

Dabei kam es unter den Bakterien zu gewaltigen Populationsverschiebungen. Sieger in diesem Evolutionsprozeß blieb eine besonders gefräßige Gruppe, die am Öl ganze Arbeit leistete: Nach knapp 20 Wochen hatten die hungrigen Einzeller die Hälfte der öligen Bestandteile im Sand weggeschlabbert.

Unter ökologischen Gesichtspunkten werten die kuweitischen Forscher das neue Verfahren als besonders sinnvoll. Während das mit der Einfuhr fremder oder gar gentechnisch maßgeschneiderter Ölfraßmikroben verbundene Risiko unkalkulierbar sei, stehe die jetzt erprobte Methode in bestem Einvernehmen mit der Natur: Zum Einsatz kommen dabei nur Organismen, die just in der Region heimisch sind, in der sie als Retter benötigt werden. Y

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