Umwelt Dauerhaft elastisch
Babys leben gefährlich: In billiger Gemüsepampe aus dem Glas steckt Insektenvertilger; Knetgummi birgt giftige Schwermetalle; über die Kleidung dringen krebserregende Färbemittel in die Haut ein; in der Muttermilch schwappt das Pestizid Lindan.
Nun hat die Umweltzeitschrift Öko-Test eine neue Bedrohung für den krabbelnden Nachwuchs enthüllt: Auch wer am Schnuller nuckelt, saugt womöglich Giftstoffe in sich hinein.
16 von 20 untersuchten »Trink- und Beruhigungssaugern« für deutsche Babymäuler enthielten den Stoff 2-Mercaptobenzothiazol (MBT) - eine Substanz, welche die Mediziner als einen der zwei Dutzend wichtigsten Allergie-Auslöser einstufen. In Rattenexperimenten amerikanischer Wissenschaftler hat sich MBT sogar als krebserzeugend erwiesen.
Gummi gilt als ideales Schnullermaterial, weil die Kleinen aus dem hochelastischen und extrem reißfesten Naturprodukt keine Stücke abbeißen und hinunterschlucken können (geriete ein Gummipfropfen in die Atemröhre, bestünde Erstickungsgefahr).
Ausgangsstoff für Gummi ist der Rindensaft des Kautschukbaums, eine zähe, milchige Flüssigkeit, die unbehandelt aushärten würde und dann so spröde wäre wie trockenes Brot. Erst ein spezielles Fertigungsverfahren ("Vulkanisation") gibt dem Kautschuk dauerhafte Elastizität. Vorangetrieben wird dieser chemische Prozeß durch MBT.
Die meisten Hersteller, deren Produkte beanstandet wurden, rühren allerdings, dank verfeinerter Fertigungstechniken, inzwischen weit weniger MBT in ihre Schnuller als noch vor einigen Jahren. Marktführer Mapa ("Nuk Magic") versprach, »in absehbarer Zeit« ganz auf MBT zu verzichten. Das schafft der Hersteller Prenatal schon heute.
Der Chemiker Frank Kuebart vom Kölner Eco-Institut, der die verschiedenen Gummisauger getestet hat, weist darauf hin, daß selbst zwischen Schnullern vom selben Hersteller »gewaltige Unterschiede« lägen. »Eine Faustregel lautet: Je älteren Herstellungsdatums der Sauger, desto stärker verseucht.«
Nicht nur Schnuller können Allergien auslösen, auch Kondome und Haushaltshandschuhe, die aus Kautschuk gefertigt werden. Von einem alarmierenden Trend berichtete die Ärztezeitung: Bereits 20 Prozent des chirurgischen Personals in den Kliniken seien allergisch gegen Gummi.
Schon wenige Minuten nach dem Kontakt mit Handschuhen oder Fingerlingen, elastischen Binden oder Beatmungsmasken rötet sich bei vielen die Haut und fängt an zu jucken. Selbst ein sogenannter allergischer Schock kann sich laut Ärztezeitung durch Gummi einstellen.