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»DU BIST STÄRKER«

Sport, Sex, Shopping: Schnell wird aus Genuss eine Suchterkrankung. Zugleich greifen immer Jüngere zum Alkohol. Wie befreit man sich aus der Abhängigkeit?
Von Astrid Langer
• aus SPIEGEL Wissen 1/2009
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das abendliche Glas Wein, mittags zwei, drei Zigaretten, am Wochenende ein paar Stunden Computerspiele - der Übergang zwischen Gewohnheit und Abhängigkeit ist oft fließend.

»Sucht« im engeren Sinne wird definiert als substanzbezogene Abhängigkeit, die die Wahrnehmung verändert und Entzugserscheinungen auslöst. Dies bewirken die legalen klassischen Drogen Alkohol und Nikotin ebenso wie Medikamente und illegale Substanzen.

Nikotin ist, gemessen an Verbreitung und Suchtpotential, die gravierendste Droge. Etwa jeder dritte Erwachsene in Deutschland raucht, besonders für Jugendliche kann der Griff zum Glimmstengel fatal werden: Je früher sie beginnt, desto tiefer prägt sich die Sucht in das sich noch entwickelnde Gehirn ein. Um möglicherweise mehr als 20 Jahre kann sich so die Lebenserwartung Heranwachsender reduzieren, wenn sie schon im Alter von 14 Jahren mit dem Rauchen beginnen. Über die erste Entzugsphase helfen Nikotinpflaster oder -kaugummi. Krankenkassen bieten »Rauchfrei«-Kurse an.

Fast 142 Liter alkoholische Getränke pro Kopf konsumierten die Deutschen 2007. Da Alkohol in der Gesellschaft als Genussmittel akzeptiert ist, fällt es oft schwer, eine Abhängigkeit zu identifizieren. Die macht auch vor dem Arbeitsplatz nicht halt: Vier bis sieben Prozent der Erwerbstätigen sind alkoholabhängig. Betroffene finden Hilfe bei den Anonymen Alkoholikern oder beim Blauen Kreuz. In schweren Fällen empfiehlt sich eine stationäre Entzugskur. Die Homepage www.bistdu-staerker-als-alkohol.de richtet sich speziell an Jugendliche.

Das Spektrum der illegalen Drogen reicht von Amphetamin bis Kokain. Besonders die Wirkungsweise von Heroin ist wegen seines hohen Suchtpotentials gefährlich. Cannabis macht den weitaus größten Anteil des Konsums illegaler Rauschgifte in Deutschland aus. Informationen bieten die Drogenbeauftragte der Bundesregierung oder www.drogennotdienst.de.

Hinzu kommt eine Vielzahl neuer Süchte, die Wissenschaft spricht von »verhaltensgebundenen Abhängigkeiten«, etwa von Computerspielen. Unterstützung finden Betroffene bei dem Hilfsprojekt »Lost in Space« der Caritas Berlin oder bei der Ambulanz für Online-Spielsüchtige der Uni Mainz.

Essstörungen wie Mager-, Ess-Brech- oder Fettsucht betrifft Mädchen etwa doppelt so häufig wie Jungen, 1,4 Millionen und damit ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren sind betroffen. Meist ist das krankhafte Essverhalten Ausdruck eines schweren psychischen Problems. Wird nicht rechtzeitig behandelt, endet vor allem Magersucht oft tödlich: 5 bis 15 Prozent der meist weiblichen Betroffenen hungern sich zu Tode. Rat findet man auch unter www.anad-pathways.de.

Arbeitswut, Sportwahn, Kauflust oder Sexsucht sind weitere moderne Abhängigkeiten. Christa Merfert-Diete von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen warnt jedoch davor, »jeder schlechten Angewohnheit oder jedem Zwangsverhalten voreilig den Stempel Sucht aufzudrücken«. Dadurch finde der Betroffene mehr Akzeptanz in der Gesellschaft und gebe die Verantwortung für sein Tun ab.

Die Kosten einer Akutbehandlung tragen die Krankenkassen nur, wenn körperliche Symptome mit der Sucht einhergehen. Die anschließende Entwöhnung bezahlt die Rentenversicherung.

Weitere Informationen finden sich auch auf den Webseiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder der Suchthilfegemeinschaft Synanon (www.synanon-aktuell.de).

ASTRID LANGER

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