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INTERNET Einfacher Trick

Der Computerwurm »Lovsan« legte weltweit Microsoft-Rechner lahm - dabei ist sein Urheber wohl ein Stümper.
• aus DER SPIEGEL 34/2003
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Der Angriff kam alles andere als unerwartet. Seit fast einem Monat war er vorhergesagt worden. Und dennoch überraschte er seine Opfer.

Am Montagabend vergangener Woche wurden in Europa die ersten Zwischenfälle gemeldet: In Polen, Deutschland, Großbritannien stürzten einzelne Rechner ab, meist bei Privatkunden, die nach Feierabend im Internet surften. Wie von Geisterhand gesteuert, fuhren die Geräte automatisch herunter; dann schalteten sie sich wieder ein - immer wieder, bis der Stecker gezogen wurde.

Hinter der Attacke steckte »Lovsan«, ein so genannter Wurm, der sich im Gegensatz zu einem Virus von allein verbreitet: Er schleicht selbständig durchs Internet, nistet sich in fremde Festplatten ein, sucht sich übers Datennetz ein neues Opfer und kopiert sich so von Rechner zu Rechner; eine Wurmflut entsteht, die immer neue Wellen auslöst (siehe Grafik).

Nach wenigen Stunden erreichte die Wurmfront die USA. Das infektiöse Programm machte teilweise zehn Prozent des Datenverkehrs aus. Das Fahrzeugmelderegister von Maryland musste alle 24 Filialen wegen Computerproblemen schließen. Dann rollte die Welle weiter, immer mit der Morgendämmerung von Ost nach West. Hongkong, Südkorea, Taiwan und Australien wurden schwer getroffen.

»Wir haben noch Glück gehabt mit Lovsan«, sagt Harald Hofmann von der Sicherheitsberatungsfirma Fuhs Security Consultants in Wiesbaden. »Er vernichtet keine Dateien und ist so stümperhaft programmiert, dass er Rechner zum Absturz bringt und so die eigene Ausbreitung behindert.«

In Amerika wird er bereits als »Frankenworm« verspottet, weil er aus existierenden Einzelteilen zusammengeflickt ist wie Frankensteins Monster. Mit etwa 150 000 infizierten Rechnern und nur geringen Schäden erwies sich Lovsan bis Ende vergangener Woche noch als relativ harmlos.

Dass es der Dilettantenwurm überhaupt so weit bringen konnte, liegt an Sicherheitslücken im Microsoft-Betriebssystem »Windows«. Die Chronik des angekündigten Angriffs beginnt am 16. Juli: Mit einem einfachen Trick, warnte Microsoft an diesem Tag, könnten Hacker Windows-Rechner kapern, indem sie eine eigentlich sinnvolle Fernwartungsfunktion (RPC) manipulieren. Die Lücke betrifft fast alle Windows-Versionen - und damit einen Großteil aller Desktop-Rechner weltweit.

Für Hacker war dieses Eingeständnis wie eine Einladung. Neun Tage später stellten chinesische Hacker einen ersten Lovsan-Vorläufer ins Internet, der aber noch Macken aufwies. Wie gelähmt wartete die Computerwelt auf den nächsten Angriff.

Dass am Ende ein Stümper-Wurm erfolgreich war, lag auch daran, dass viele Systembetreuer noch lahmer sind als der Wurm selbst: Fast vier Wochen lang verschliefen sie es, die Sicherheitslücke mit ein paar Mausklicks zu beheben.

Doch das Problem liegt nicht nur bei den leichtsinnigen Nutzern. Zwar bietet Microsoft seinen Kunden an, sich umsonst Sicherheits-Updates installieren zu lassen. Doch der Service ist umständlich, die Dateien oft riesig - entsprechend dauert das Herunterladen oft quälend lange.

Der Softwaregigant habe es zudem versäumt, seine Kunden aktiv zu warnen, kritisiert das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das selbst umfassende Informationen zur Behebung der Wurmschäden anbietet (www.bsi.de).

Und der nächste Angriff kommt bestimmt. Zehn neue Wurm-Varianten, die Windows-Sicherheitslücken ausnutzen, kursieren bereits im Netz. Sie tragen Namen wie »Teekids« oder »Penis32«. Trotz der albernen Namen ist diesmal vielleicht sogar ein richtig gefährlicher darunter. HILMAR SCHMUNDT

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