Für Menschen ohne Behinderung höchstens eine kleine Anstrengung, für Rollstuhlfahrer oft ein unüberwindbares Hindernis: Treppen. Südkoreanische Forscher haben nun ein Rad erfunden, mit dem genau das aber kein Problem mehr sein soll.
Laut den Ingenieuren des koreanischen Institutes für Maschinen und Materialien handelt es sich bei ihrer Erfindung um das erste Rad, das sich an den jeweiligen Untergrund anpasst und so unebene Wege und Stufen überwinden kann.
Song Sung-Hyuk, leitender Forscher am Korea Institute of Machinery & Materials:
»Herkömmliche Räder sind so konzipiert, dass sie eine starre runde Form beibehalten, um auf ebenen Flächen stabil zu sein. Das schränkt sie dabei ein, Hindernisse zu überwinden. Unser Rad behält jedoch seine runde Form auf ebenem Boden bei und wird nur beim Überwinden von Hindernissen weicher. Das ist das Hauptunterscheidungsmerkmal zu herkömmlichen Rädern.«
Das soll auch der direkte Vergleich des »Morphing Wheel« mit einem herkömmlichen Rollstuhl zeigen. Durch einen Kettenblock an der Außenseite kann sich das Rad je nach Gelände festziehen oder lockern, ohne dass es dafür komplexe Sensoren benötigt.
Dabei ist die Erfindung aus Südkorea nicht die erste ihrer Art. Studierende der ETH-Zürich etwa haben bereits einen Elektrorollstuhl entworfen, der Treppen steigen kann. Das Werbevideo zeigt, wie er funktioniert.
Was das »Morphing Wheel« aus Südkorea angeht, soll es nicht nur beim Rollstuhl bleiben. Die Forscher sehen großes Potenzial, dass ihr Rad auch in anderen Bereichen eingesetzt werden könnte – etwa auch für Industrieroboter.
Song Sung-Hyuk, leitender Forscher am Korea Institute of Machinery & Materials:
»Dieses modularisierte Rad kann an jeder mobilen Plattform angebracht werden, indem die vorhandenen Räder einfach ausgetauscht werden. Einmal installiert, bietet das Rad eine variable Steifheit, die sich an jede Anwendung anpasst. Wir forschen kontinuierlich, um die Leistung des Rades für verschiedene Anwendungen zu optimieren.«
Das Rad neu erfunden haben die Forscher also nicht, es allerdings flexibler gemacht. Ein möglicher Weg zu mehr Teilhabe von Menschen mit Behinderung, denn wirkliche Barrierefreiheit ist in Südkorea wie in Deutschland noch immer vielerorts Zukunftsmusik.