ARCHÄOLOGIE Erhellende Katastrophe
Bam, die iranische Provinzstadt, die vor einem halben Jahr von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht wurde, könnte schon vor 4500 Jahren gegründet worden sein, etliche Jahrhunderte früher als bislang vermutet. Diese und viele weitere Erkenntnisse verdanken Archäologen indirekt der Katastrophe, welche die Stadt am zweiten Weihnachtsfeiertag 2003 erschütterte, Tausende Häuser zerstörte und über 26 000 Menschen tötete. Auch große Teile der historischen Altstadt wurden dem Erdboden gleichgemacht. Luftbilder sollten damals den Schaden dokumentieren - und offenbarten damit zugleich auch Historisches: Ein Archäologenteam entdeckte auf den Fotos etliche bislang unbekannte Bewässerungskanäle ("Qanats") und tief liegende Fundamente, die überraschend alt zu sein scheinen. »Das Erdbeben hat den Boden so gründlich umgewühlt, wie es zig Archäologen nicht einmal in zehn Jahren hinbekommen hätten«, sagt Eskander Mokhtari von der iranischen Behörde für Kulturschätze und Tourismus. »Das Erdbeben war in fast jeder Beziehung schrecklich«, fügt sein Kollege Chahryar Adle hinzu, »aber für die Archäologie war es ein Segen.«