MEERESBIOLOGIE Fahrstuhl in die Tiefsee
Seit der Entdeckung heißer, schwefelhaltiger Quellen am Meeresboden rätseln Wissenschaftler, wie die großen Muscheln in die Tiefe gelangt sein könnten, die dort in Symbiose mit Schwefelbakterien leben. Nun haben US-Meeresforscher vermutlich das Rätsel gelöst: Ein genetischer Vergleich mit Muscheln, die ebenfalls in großer Tiefe auf gesunkenem Holz und Wal-Skeletten siedeln, ergab eine verblüffend enge Verwandtschaft mit den Weichtieren an den Schwefelquellen. Offenbar, so folgerten die Forscher in der Zeitschrift »Nature«, nutzten diese einst Wal-Kadaver und verrottende, hinabsinkende Holzreste als Fahrstuhl, um ihr Siedlungsgebiet in 2500 Meter Tiefe zu erreichen. Mehrere Jahre lang hatten die Forscher das rege Leben auf fünf Wal-Leichnamen vor der südkalifornischen Küste dokumentiert und dabei bisher elf unbekannte Lebewesen entdeckt. Einige von ihnen scheinen sich regelrecht auf das Auszehren toter Wale spezialisiert zu haben. Gefunden haben die Wissenschaftler außerdem Bakterien, die selbst in der kalten Tiefsee Fette schnell aufspalten können - eine Fähigkeit, die bei der Waschmittelindustrie auf Interesse stoßen könnte.