Falscher Büffel - DER SPIEGEL
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ARCHÄOLOGIE Falscher Büffel

• aus DER SPIEGEL 35/2002
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Der Forschungsstelle Archäometrie mit Sitz am Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg ist beim Datieren der vermeintlich »ältesten Ritualbronze Südostasiens« ein schlimmer Fehler unterlaufen. Bereits im Jahr 1996 hatte ein Privatsammler das Alter einer Metallfigur bestimmen lassen, die ihm zufolge ein Eingeborener in einer Totenstätte in einem Mangrovensumpf auf Borneo gefunden hatte. Die Statue zeigt einen Reiter mit Hose und Hut auf einem Wasserbüffel. Mit Hilfe der Thermolumineszenz(TL)-Methode ermittelten die Heidelberger Experten für die Statue ein Alter von rund 2700 Jahren. Das Resultat löste unter den Prähistorikern großen Wirbel aus. Die nächstältesten Artefakte Borneos, hölzerne Opferpfähle, sind über 1000 Jahre jünger. Für kurze Zeit war das mit 1,8 Millionen Euro versicherte Stück im Schlossmuseum von Linz zu sehen. Dann verschwand es wieder im Banksafe des Besitzers. Dessen Versuch, die Statue einigen US-Museen zum Verkauf anzubieten, brachte nun die Wahrheit ans Licht. Eine neuerliche TL-Analyse in Oxford ergab, dass der Bronzebüffel »weniger als 200 Jahre« alt ist, wie es in der Expertise des britischen Instituts heißt. Auch das Rathgen-Forschungslabor in Berlin hat dieses Ergebnis inzwischen bestätigt. Das Heidelberger Institut, so der Verdacht, muss die Proben vertauscht oder anderweitig geschlampt haben. Der »vorzeitliche« Dschungelfund entstand um 1850 in einer Bronzegießerei.

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