Fett durch Viren? - DER SPIEGEL
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MEDIZIN Fett durch Viren?

• aus DER SPIEGEL 31/2000
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Dicke Menschen, die bisher vergeblich einen Schuldigen für ihr Übergewicht gesucht haben, könnten jetzt fündig werden - im Reich der Viren. US-Forscher wollen einen winzigen Erreger entdeckt haben, der dick macht. Fettsucht erscheint damit als Infektionskrankheit, die man sich einfangen kann wie einen lästigen Schnupfen. Die Gruppe um Richard Atkinson von der University of Wisconsin in Madison infizierte Hühner und Mäuse mit einem menschlichen Virus: dem so genannten Adenovirus 36 (Ad-36). Im Vergleich zu normalen Artgenossen, welche die gleiche Futtermenge erhielten, legten die infizierten Wesen kräftig zu. Die Mäuse schleppten 35 Prozent mehr Körperfett mit sich herum; beim Federvieh lag der Speckanteil sogar um 46 Prozent höher, berichten die Forscher im »International Journal of Obesity«. Ad-36 fand sich im Fettgewebe der infizierten Tiere, nicht aber in Muskeln. Die Wissenschaftler rätseln, wie das Virus die Tiere dick macht. Ebenso unklar ist, ob Ad-36 auch den menschlichen Körper verändert. Einer früheren Studie zufolge hatten 30 Prozent der Dicken Kontakt mit Ad-36, aber nur 5 Prozent der Dünnen. Sollte sich der Verdacht erhärten, wäre die Fettsucht auch hier zu Lande virulent: Das ominöse Ad-36-Virus wurde 1978 im Stuhl eines Mädchens entdeckt - in Deutschland.

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